Endlich scheint auch die Wirtschaftskammer selbst den Ernst der Lage erkannt zu haben, sie streicht in ihrer Wiener Zentrale 200 von 800 Arbeitsplätzen. Dadurch sollen ab 2030 dann 100 Millionen Euro eingespart werden. Einer der fettesten Karpfen ist dabei die Wirtschaftskammer OÖ unter Präsidentin Doris Hummer mit 400 Vollzeit-Mitarbeitern, gleich vier Vizepräsidenten und jährlichen Personalkosten von über 64 Millionen Euro.
Neben rund 5.500 Mitarbeitern beschäftigt das Wirtschaftskammer-System österreichweit auch mehr als 12.000 Funktionäre in rund 1.000 Gremien. Dazu kommen nicht weniger als 55 Präsidenten und Vizepräsidenten in den Kammern des Landes. Allein diese Zahlen werfen die Frage auf, ob hier nicht längst Strukturen entstanden sind, die mit einer modernen und effizienten Interessenvertretung nur noch wenig zu tun haben.
„Erst ab 2030 will die WKO die besagten 100 Millionen Euro einsparen – und auch dann erst soll es zu einem niedrigeren Mitgliedsbeitrag (Kammerumlage) kommen. Wenn man denn wirklich ein Zeichen setzen wollte, müsste die Senkung der Beiträge bereits 2027 kommen – das Geld dazu wäre da.“
Auch die WKOÖ soll ihren Beitrag zum Sparpaket leisten. Präsidentin Doris Hummer spricht von einer „schlanken und schlagkräftigen“ Kammer und begrüßt länderübergreifende Kooperationen. Das klingt vernünftig. Doch die entscheidende Frage lautet: Wird tatsächlich bei den Strukturen gespart oder nur bei den Mitarbeitern? Gerade die zahlreichen Gremien, Doppelgleisigkeiten und Spitzenfunktionen stehen seit Jahren in der Kritik.
Für viele Pflichtmitglieder ist klar: Wer von Unternehmen Effizienz, Digitalisierung und Kostenbewusstsein verlangt, muss diese Maßstäbe auch bei sich selbst anlegen. Wenn die Kammerumlage gesenkt werden soll, dann darf die Reform nicht bei Sachbearbeitern und Mitarbeitern enden. Der Rotstift muss dort angesetzt werden, wo die großen Strukturen und Funktionärsapparate sitzen.
Der eigentliche Witz ist der lange Zeithorizont: Erst ab 2030 will die WKO die besagten 100 Millionen Euro einsparen – und auch dann erst soll es zu einem niedrigeren Mitgliedsbeitrag (Kammerumlage) kommen. Wenn man denn wirklich ein Zeichen setzen wollte, müsste die Senkung der Beiträge bereits 2027 kommen – das Geld dazu wäre da: Laut einer Auswertung auf Basis der Rechnungsabschlüsse verfügte die gesamte Wirtschaftskammerorganisation Ende 2024 über Rücklagen von rund 2,05 Milliarden Euro. Diese Rücklagen sind gegenüber dem Vorjahr sogar nochmals gestiegen.
Foto: Hannes Buchinger / WKO


