Die nächste Regulierungswelle rollt über Österreichs Betriebe: Seit 12. August gelten neue EU-Vorschriften für Verpackungen. Was mit weniger Müll und mehr Recycling gut klingt, entwickelt sich für viele Unternehmen zum Bürokratie-Monster. Die Wirtschaftskammer warnt bereits vor höheren Preisen und weniger Auswahl. Und dabei sind die derzeitigen Vorgaben erst der Anfang. Die Bundesregierung ist gefordert, in Brüssel auf die Bremse zu steigen.

Seit 12. August 2026 gilt die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Das Ziel klingt vernünftig: weniger Verpackungsmüll, mehr Recycling, weniger problematische Stoffe und eine stärkere Kreislaufwirtschaft. Doch bei der praktischen Umsetzung wächst der Ärger in der Wirtschaft.

Denn die neuen Regeln bringen zusätzliche Pflichten entlang der gesamten Lieferkette. Unternehmen müssen zunächst einmal klären, welche rechtliche Rolle sie bei einer Verpackung überhaupt einnehmen – etwa als Erzeuger, Hersteller, Importeur oder Vertreiber. Dazu kommen unter anderem Konformitätsprüfungen, Dokumentationen und neue Verantwortlichkeiten. Die WKO berichtet bereits von enormem Informationsbedarf in den Betrieben. Alleine in Oberösterreich sind laut Wirtschaftskammer zehntausende Betriebe von der neuen Verordnung betroffen.

WKÖ warnt vor höheren Preisen
Besonders scharf fällt die Kritik aus dem Handel aus. Die Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer spricht von einer „Lose-lose-Situation“ für Unternehmen und Konsumenten. Die Befürchtung: Zusätzliche Bürokratie und Kosten könnten letztlich zu höheren Preisen und weniger Produktauswahl führen.

Selbst die EU-Kommission bestätigt, dass nach dem Start im August zahlreiche weitere Vorgaben schrittweise folgen. Ab 2028 soll ein EU-weit harmonisiertes Kennzeichnungssystem greifen. Der Großteil weiterer Verpflichtungen kommt ab 2030 – darunter Vorgaben zur Reduktion von Verpackungen, Wiederverwendungsziele, verpflichtende Recyclinganteile bei Kunststoffverpackungen und die Vorgabe, dass Verpackungen recyclingfähig sein müssen.

Ausgerechnet der EU-Binnenmarkt wird zum Problem
Besonders absurd wird die Situation beim grenzüberschreitenden Onlinehandel. Eigentlich sollte eine EU-Verordnung dafür sorgen, dass Unternehmen innerhalb des Binnenmarktes nach einheitlichen Regeln arbeiten können. In der Praxis bleiben jedoch nationale Systeme und Verpflichtungen ein erheblicher Stolperstein.

Die WKÖ kritisiert, dass Onlinehändler beim Versand in andere EU-Staaten mit Registrierungen, Bevollmächtigten sowie Abgaben und Verwaltungskosten konfrontiert werden können. Gerade für kleinere Händler könne das den Verkauf in andere EU-Länder unattraktiv machen. Damit droht ausgerechnet eine Verordnung, die laut EU-Kommission den Binnenmarkt harmonisieren soll, für kleinere Onlinehändler neue Hürden beim grenzüberschreitenden Geschäft zu schaffen.

Selbst Brüssel muss nachbessern
Bemerkenswert ist: Auch auf EU-Ebene ist offenbar erkannt worden, dass bei der Umsetzung Klärungsbedarf besteht. Die Kommission veröffentlichte 2026 zusätzliche Leitlinien und FAQs, nachdem von Unternehmen und Mitgliedstaaten zahlreiche Fragen zur Interpretation einzelner Bestimmungen eingegangen waren. Die EU-Kommission argumentiert zwar, dass die neuen Regeln langfristig sogar Kosten reduzieren und den Binnenmarkt vereinfachen sollen. Gleichzeitig räumt sie aber ausdrücklich ein, dass die Umstellung zunächst Anpassungskosten verursacht.

Bundesregierung muss in Brüssel Druck machen
Jetzt wäre die österreichische Bundesregierung gefordert. Umwelt- und Recyclingziele dürfen nicht dazu führen, dass heimische KMU mit immer neuen Dokumentations-, Registrierungs- und Nachweispflichten beschäftigt werden. Österreich sollte sich daher auf EU-Ebene dafür einsetzen, besonders problematische Vorgaben zu vereinfachen beziehungsweise solange auszusetzen, bis die notwendigen Detailregelungen eindeutig feststehen und tatsächlich ein praktikables, europaweit einheitliches System existiert.

MFG: EU-Bürokratie trifft wieder die kleinen Betriebe
Auch politisch wächst die Kritik an immer neuen Vorgaben aus Brüssel. Die MFG positioniert sich seit Jahren gegen zusätzliche EU-Regulierungen, die aus ihrer Sicht vor allem kleine und mittlere Unternehmen mit Bürokratie und Kosten belasten. In ihrem Wirtschaftsprogramm fordert die Partei ausdrücklich den Abbau bürokratischer Hürden und eine Reduzierung der Verwaltungslasten für Unternehmen.

Gerade KMU und Ein-Personen-Unternehmen sieht die MFG durch überbordende Vorschriften besonders gefährdet. Bereits zuvor kritisierte MFG „übermäßige Bürokratie, oft aufgrund übertriebener EU-Vorgaben“ und forderte mehr unternehmerische Freiheit.

Dabei stellt sich die MFG nicht grundsätzlich gegen Recycling oder Kreislaufwirtschaft. Man sich sogar ausdrücklich dafür aus, wertvolle Materialien möglichst lange im Wirtschaftskreislauf zu halten, höhere Recyclingquoten zu erreichen und Mehrwegsysteme auszubauen. Der entscheidende Unterschied liegt beim Weg dorthin: Solche Ziele sollen laut MFG vorrangig über Anreize verfolgt und durch wissenschaftliche Studien und Ökobilanzen abgesichert werden.