350.000 Menschen in Österreich kämpfen bereits mit problematischem oder krankhaftem Glücksspielverhalten.Wer angesichts dieser dramatischen Zahl auf eine echte Reform zum Schutz der Betroffenen gehofft hat, dürfte vom neuen Glücksspielgesetz der Bundesregierung bitter enttäuscht werden.

Denn statt Spielsucht konsequent einzudämmen, setzt die Regierung offenbar vor allem auf eines: mehr Einnahmen für den Staat. Unter dem Deckmantel des Spielerschutzes wird der Glücksspielmarkt neu organisiert und legal ausgeweitet – ein Schritt, der vor allem höhere Steuereinnahmen verspricht.

Besonders absurd ist dabei eine Regelung, die jeder Logik widerspricht: Ausgerechnet bei Einzelautomaten, etwa in Tankstellen oder Gaststätten, sollen die Einsatz- und Gewinnlimits massiv angehoben werden. Statt maximal 1 Euro pro Spiel sollen künftig Einsätze von bis zu 5 Euro erlaubt sein. Der mögliche Höchstgewinn steigt sogar von 1.000 auf 10.000 Euro. Wie passt das zu einer Regierung, die gleichzeitig behauptet, Spielsucht bekämpfen zu wollen?

„Einmal mehr ein Versagen auf allen Längen, der Regierung geht es nicht um das Wohl der Menschen, sondern knallhart ums Geld. In Sachen Prävention passiert einmal mehr nichts, es ist beschämend „, kommentiert MFG-Gesundheitssprecherin Dagmar Häusler diese „Reform“.

Auch bei Werbung und Prävention bleibt die Reform weit hinter den Erwartungen zurück. Während andere Länder Glücksspielwerbung deutlich einschränken, setzt Österreich weiterhin auf halbherzige Maßnahmen. Für gefährdete Spieler und deren Familien bedeutet das kaum spürbare Verbesserungen. Der Verdacht liegt nahe, dass der Staat vor allem ein Interesse daran hat, möglichst viele Spieler in den legalen Markt zu lenken – denn dort fließen Glücksspielabgaben und Steuern direkt in das Budget. Je mehr gespielt wird, desto mehr verdient letztlich auch der Staat.

Eine ernst gemeinte Reform hätte anders ausgesehen: niedrigere Einsatzlimits, strengere Werbeverbote, vor allem mehr Prävention, mehr Therapieangebote und ein konsequenter Schutz vor Spielsucht. Stattdessen werden einzelne Glücksspielangebote sogar attraktiver gemacht.