Die jüngste Debatte über eine Vorverlegung der Sommerferien um zwei Wochen sorgt für Diskussionen. Ausgelöst wurde sie zunächst von Wiens Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS). Wenig später schloss sich Kärntens Bildungsreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Daniel Fellner (SPÖ) an. Sein Argument: Ende Juni sei es mittlerweile heißer als Anfang September, daher sollten die Sommerferien künftig bereits Mitte Juni beginnen und die Schule entsprechend früher starten. Auch Bildungsminister Christoph Wiederkehr bezeichnete den Vorschlag als „interessant“, während sich Vertreter von ÖVP und SPÖ grundsätzlich gesprächsbereit zeigten. Die „hirnverbrannnte“ Idee dürfte in der Hitze des heurigen Spätjuni entstanden sein…

Denn wer die Ferien lediglich um zwei Wochen nach vorne verschiebt, verlagert den Unterricht einfach in den August. Und gerade dieser zählt mittlerweile ebenfalls zu den heißesten Monaten des Jahres. Auch Ende August werden in Österreich regelmäßig Temperaturen von über 30 Grad gemessen – teilweise sogar höhere Werte als Mitte Juni. Das eigentliche Problem würde also nicht gelöst, sondern lediglich verschoben.

Kritik kommt aus der Opposition – MFG-Landesparteiobmann Joachim Aigner ortet ein Ablenkungsmanöver. Er sagt: „Natürlich kann man darüber diskutieren, ob Sommerferien verschoben werden sollen oder nicht. Aber ganz ehrlich: Die Menschen in unserem Land haben derzeit andere Sorgen. Familien kämpfen mit der Teuerung. Unternehmer kämpfen mit Bürokratie, hohen Kosten und Unsicherheit. Viele Bürger haben das Vertrauen in die Politik verloren, weil sie den Eindruck haben, dass zu oft über Symbolthemen gesprochen wird, während die echten Probleme liegen bleiben.“

Die Politik sollte weniger Zeit mit theoretischer Symbolpolitik verbringen und endlich dort handeln, wo es den Menschen wirklich weh tut, so Aigner: „Bei den wirtschaftlichen Problemen, bei der Entlastung der arbeitenden Bevölkerung, bei der Bekämpfung der Teuerung und beim Wiederaufbau von Vertrauen. Unser Land braucht keine neuen Ablenkungsdebatten. Unser Land braucht Lösungen.“

Hinzu kommt: Die Sommerferien sind seit Jahrzehnten auf zahlreiche Bereiche abgestimmt. Tourismus, Familienbetreuung, Ferienlager, Vereine, Arbeitgeber und Urlaubsplanung orientieren sich an den bestehenden Terminen. Eine bloße Verschiebung um zwei Wochen würde diesen eingespielten Rhythmus erheblich verändern, ohne einen klaren Nutzen zu bringen.

Besser, als an den Sommerferien herumzudoktern, wäre ein Hitzeschutzpaket für Schulen statt Ferien-Kosmetik:

1. Hitzefrei neu regeln
Ab bestimmten Temperaturen in Klassenräumen sollte es klare Regeln geben: verkürzter Unterricht, früherer Beginn oder Heimunterricht.

2. Schulen baulich hitzefit machen
Beschattung, Außenjalousien, Begrünung, helle Dächer, bessere Lüftung und dort, wo nötig, Klimatisierung. Das löst das Problem dauerhaft.

3. Unterricht an Hitzetagen früher beginnen
Bei Hitzewellen etwa Start um 7 Uhr, Ende vor Mittag. Das wäre praktischer als den ganzen Ferienkalender umzubauen.

4. Flexible „Hitzetage“ statt fixe Ferienverschiebung
Schulen könnten pro Jahr ein kleines Kontingent an Hitzetagen bekommen, ähnlich wie schulautonome Tage – aber gezielt bei Extremtemperaturen.

5. Keine Prüfungswochen in Gluthitze
Die letzten Schulwochen sollten entlastet werden: weniger Tests, weniger Nachmittagsunterricht, mehr Projekt- oder Sporttage im Schatten.

Conclusio: Nicht die Ferien verschieben, sondern die Schulen endlich an den Klimawandel anpassen.