Landeshauptmann Thomas Stelzer bejubelte im Rahmen einer Pressekonferenz in Kronstorf bei Enns die Entscheidung des Google-Konzerns, hier ein großes Rechenzentrum aus dem Boden zu stampfen. Doch das Projekt hat Schattenseiten – enorme Schattenseiten. 50 bis 70 Hektar Boden – das entspricht fast 80 Fußballfeldern – müssen dafür versiegelt werden. Im Gegenzug entstehen gerade mal 100 Arbeitsplätze. Hinzu kommt ein enormer Energiebedarf: Der Stromverbrauch entspricht laut einer Einschätzung der Austrian Power Grid etwa jenem von 900.000 privaten Haushalten – zum Vergleich: in OÖ gibt es aktuell ca. 675.000 Haushalte. Woher diese gigantische zusätzlich zu produzierende Menge kommen soll, ist offen.
„Nach Fertigstellung wird die Anlage 100 direkte Arbeitsplätze schaffen und indirekt Tausende weitere Jobs in den Bereichen Bau, Lieferanten:innen und lokale Unternehmen und lokale Unternehmen“, heißt es in der Aussendung des Landes OÖ euphorisch. Problem dabei: die „indirekt Tausende weitere Jobs“ sind eine reine Annahme und weder seriös darstellbar noch einforderbar, sondern vielmehr ein beliebtes Stilmittel, umstrittene Projekte wie diese besser zu verkaufen.
Dass sich Google für Kronstorf entschieden hat, ist ein starkes Signal für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Oberösterreich.“
Landeshauptmann Thomas Stelzer
Das Google Rechenzentrum würde „Oberösterreich außerdem zu einem weltweit anerkannten Standort für hochmoderne digitale Infrastruktur machen“, heißt es weiter. Auch das: zumindest eine maßlose Übertreibung, OÖ hat hier absolut keine Alleinstellung, im Gegenteil: Aktuell gibt es weltweit bereits 44 fertige oder in Bau befindliche ähnliche Google-Rechenzentren, weitere sind geplant.
Spätestens beim Thema Energieversorgung wird’s aber richtig Wildwest: Das Rechenzentrum wird mehr Strom benötigen als alle Haushalte in OÖ zusammen. Laut einer Einschätzung der Austrian Power Grid wird etwa die Strommenge von 900.000 privaten Haushalten pro Jahr benötigt, das ist mehr als in ganz OÖ (in unserem Bundesland gibt es aktuell 676.000 Haushalte). Oder anders ausgedrückt: In Summe werden 5-6 Prozent des Gesamtstromverbrauchs von Österreich benötigt.
Was hier in Kronstorf passiert, zeigt exemplarisch, wie weit sich die Politik von der Lebensrealität der Menschen entfernt hat. Ein Rechenzentrum mit einem Stromverbrauch, der laut Einschätzungen in etwa dem von 900.000 Haushalten entspricht – da wird Energie regelrecht verbrannt, während man gleichzeitig den eigenen Bürgern erklärt, sie sollen sparen.“
Joachim Aigner / MFG
Gegenwind von MFG
Das Lob der Parteien für dieses fragwürdige Projekt ist einstimmig euphorisch, lediglich MFG legt Protest ein. Landesparteiobmann Joachim Aigner: „Was hier in Kronstorf passiert, zeigt exemplarisch, wie weit sich die Politik von der Lebensrealität der Menschen entfernt hat. Ein Rechenzentrum mit einem Stromverbrauch, der laut Einschätzungen in etwa dem von 900.000 Haushalten entspricht – da wird Energie regelrecht verbrannt, während man gleichzeitig den eigenen Bürgern erklärt, sie sollen sparen.“
Aigner fragt weiter: „Für wen wird hier Politik gemacht? Für internationale Konzerne, denen man Flächen, Infrastruktur und Energie zur Verfügung stellt – oder für die Menschen in Oberösterreich, die jeden Tag arbeiten und dieses Land tragen? Es kann nicht sein, dass für Großkonzerne alles möglich gemacht wird, während man den eigenen Leuten immer tiefer in die Tasche greift.“
In der Tat: Woher die gewaltige Menge an (grünem) Strom kommen soll, ist offen. Es stehen zudem Befürchtungen im Raum, dass das öffentliche Stromnetz dadurch instabiler werden könnte.
Nur für das Google-Rechenzentrum bräuchte es 900 zusätzliche Groß-Windkraftanlagen – oder 30mal so viele wie der aktuelle Bestand in OÖ.
Google sagt, man wolle „die österreichischen Dekarbonisierungsziele unterstützen und zu einem sauberen, zuverlässigen und nachhaltigen Energiesystem für alle beitragen“. Aber wie soll das funktionieren – bei DIESEM Stromhunger? Zum Vergleich: Die derzeitigen 32 Windkraftanlagen in OÖ produzieren pro Jahr etwa 0,115 TWh (115 Millionen Kilowattstunden) Strom. Nur für das Google-Rechenzentrum bräuchte es 900 zusätzliche Groß-Windkraftanlagen – oder 30mal so viele wie der aktuelle Bestand – und da reden wir noch gar nicht vom künftigen zusätzlichen Strombedarf für die E-Mobilität und das „Green Steel“-Projekt der voestalpine (die beiden Stahlwerke in Donawitz und Linz benötigen aktuell bereits um die 40 Terrawattstunden Energie pro Jahr für ihre Stahlproduktion (ein großer Teil davon als Strom), mit den neuen „Green Steel“-Lichtbogenöfen wird der Bedarf nochmal steigen).
Gekühlt wird die riesige Rechenanlage mit Wasser aus der Enns, Google verspricht, dass das rückgeführte Restwasser nicht wärmer eingeleitet wird als vorher. Ein durchschnittliches Google-Rechenzentrum benötigt etwa 1,7 Millionen Liter Wasser pro Tag, eine nicht unerhebliche Menge davon verdunstet dabei während des Kühlvorganges.
Foto: Land OÖ / Mayerhofer


