Die seltsam anmutende Diskussion um eine Verlängerung der gemeinsamen Volksschule auf sechs oder sogar sieben Jahre kommt immer schneller in Fahrt. Bildungsminister Christoph Wiederkehr treibt sein Pilotprojekt voran, besonders Wien mit seinen vielen Brennpunktschulen signalisiert Interesse. Wer einmal mehr nicht gefragt wird, sind die Betroffenen in den Bundesländern – Gemeinden, Lehrer, Eltern – und natürlich die Schüler. Kritik kommt von MFG OÖ Bildungs- und Familiensprecherin Dagmar Häusler, selbst zweifache Mutter.
Besonders kritisch wird gesehen, dass die Politik die Reform als Lösung für Bildungsungleichheit verkauft, während die eigentlichen Probleme vieler Schulen ungelöst bleiben. Lehrermangel, Sprachdefizite, Integrationsprobleme, überfüllte Klassen und sinkendes Leistungsniveau verschwinden nicht automatisch dadurch, dass Kinder zwei Jahre länger gemeinsam unterrichtet werden. Viele Experten warnen davor, dass lediglich die Struktur verändert wird, ohne die Qualität des Unterrichts tatsächlich zu verbessern.
Kwrn-Kritikpunkt: das Leistungsniveau. Es ist zu befürchten, dass leistungsstarke Kinder ausgebremst werden, wenn alle Schüler länger in einem gemeinsamen System bleiben. Wenn leistungsstarke und leistungsschwache Kinder länger gemeinsam unterrichtet werden, drohe ein Unterricht „für den Durchschnitt“ oder sogar für das schwächste Niveau. Besonders Eltern von Gymnasiumskindern sehen darin eine schleichende Schwächung der AHS und damit auch eines wichtigen Bildungsaufstiegswegs für viele Familien.
Hinzu kommen enorme organisatorische und finanzielle Fragen. Die meisten Volksschulen sind auf vier Schulstufen ausgelegt. Zwei zusätzliche Jahrgänge würden tausende neue Klassenräume, zusätzliche Lehrer und umfassende Umbauten erfordern. Gemeinden und Länder warnen bereits vor massiven Mehrkosten. Kritiker werfen der Bundesregierung vor, große Reformen anzukündigen, ohne eine realistische Finanzierung oder konkrete Umsetzung vorzulegen.
„Man kann nicht wegen ein paar Kindern, die die Basics der Volksschule nach vier Jahren nicht beherrschen, die gesamte Klasse quasi in Geiselhaft nehmen.“
Kritik von MFG
„Das sind Systeme, die man den Eltern aufdrückt, will man Individualität verhindern und beseitigen, so geht’s nicht“, sagt MFG OÖ-Bildungssprecherin Dagmar Häusler: „Man kann nicht wegen ein paar Kindern, die die Basics der Volksschule nach vier Jahren nicht beherrschen, die gesamte Klasse quasi in Geiselhaft nehmen.“

Bildungsminister Wiederkehr wolle „die Welt verbessern, ohne mit den Betroffenen zu reden“, so Häusler. Es wäre besser, ein allumfassendes neues gesellschaftliches System zu entwickeln, anstatt die Kinder in ein System zu drücken, in dem sie noch länger einer außerfamiliären Betreuung ausgesetzt seien: „Man kann nur hoffen, dass die aktuelle Legislaturperiode früher endet, um Wiederkehrs widersinnige Pläne zu stoppen.“
In Summe wirkt das Projekt unfertig: Wie sollen die Lehrpläne aussehen? Welche Lehrer unterrichten die zusätzlichen Schuljahre? Wie werden leistungsstarke Kinder gefördert? Was passiert langfristig mit Mittelschulen und Gymnasien? Bis heute fehlen dazu klare Antworten. Und: Die eigentlichen Probleme nicht in der Schulstruktur, sondern in mangelnder Sprachförderung, fehlender Integration, Disziplinproblemen, Bürokratie und Lehrermangel.


