Trotz jahrelanger Bürgerproteste, zahlreicher Einsprüche und laufender Verfahren beginnen jetzt im April 2026 die Bauarbeiten auf dem Gelände der beliebten, über 60 Jahre alten Minigolfanlage am Freinberg. Das Baustellenschild steht bereits vor dem vernagelten Minigolf-Kiosk, das Bauunternehmen Swietelsky wird die Grünfläche abreißen und 37 hochwertige Eigentumswohnungen in vier großzügigen „Stadtvillen“ mit Tiefgarage für Top-Verdiener errichten. Der Verkauf läuft bereits.

Entscheidende Weichenstellung für das umstrittene Projekt war die Umwidmung des rund 5.000 Quadratmeter großen Areals vom Grünland zum Bauland. Diese erfolgte Anfang 2020 im Linzer Gemeinderat mit den Stimmen der Systemparteien SPÖ, ÖVP und FPÖ – gegen den erbitterten Widerstand von Bürgerinitiativen und der Opposition. Kurz nach der Umwidmung verkaufte das Kollegium Aloisianum (bzw. dessen Immobilientochter Freinberg Immo) das Grundstück an Swietelsky. Der Erlös (die Rede ist von 5 Millionen Euro für ein Grundstück, das vor der Umwidmung praktisch wertlos war) soll in die Sanierung und einen Zubau des Aloisianums fließen.

Eine Idylle wurde von SPÖ, ÖVP und FPÖ zum Abschuss freigegeben: Der 5.000 Quadratmeter große, parkartige Minigolfplatz am Linzer Freinberg wurde umgewidmet und muss einer Luxus-Wohnanlage weichen. Der Kiosk wurde bereits mit dem Baustellenschild zugebrettert (Foto: zVg)
Eine Idylle wurde von SPÖ, ÖVP und FPÖ zum Abschuss freigegeben: Der 5.000 Quadratmeter große, parkartige Minigolfplatz am Linzer Freinberg wurde umgewidmet und muss einer Luxus-Wohnanlage weichen. Der Kiosk wurde bereits mit dem Baustellenschild zugebrettert (Foto: zVg)

Kritiker sprechen von einem klassischen Deal zu Lasten der Allgemeinheit: Ein Stück Naherholungsraum und Grüngürtel wird geopfert, damit ein kirchlicher Träger Profit macht. Die Bürgerinitiative und Anrainer hatten vergeblich auf den hohen Freizeitwert der Anlage hingewiesen. Nun rollen die Bagger – obwohl bis zuletzt eine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig war. Diese hat allerdings keine aufschiebende Wirkung mehr und könnte allenfalls zu einer Geldbuße führen.

Das Siegerprojekt der Linzer MOD Architektur trägt den Namen „Purzelbaum“. Die vier teils gekoppelten Baukörper sollen sich stufenförmig nach Süden abtreppen und sich „geduckt“ der Topografie anpassen. Die Projektbeschreibung verspricht „reizvolle Ein- und Ausblicke“ sowie ein „Leben im Einklang mit der Natur“. Die Erschließung erfolgt über eine zweigeschossige Tiefgarage mit 39 Stellplätzen plus zwei oberirdischen Besucherparkplätzen.

Für viele Linzer ist dieses „Marketing-Sprech“ blanker Hohn. Statt einer öffentlich zugänglichen Minigolfanlage und einer natürlichen, wertvollen Grünfläche entstehen nun exklusive Stadtvillen für zahlungskräftige Käufer. Der Verlust von wertvollem Naherholungsraum im unmittelbaren Stadtgebiet ist nicht nur für die direkten Anrainer, sondern für die gesamte Bevölkerung spürbar.

Die geschlossene Front der drei großen Parteien SPÖ, ÖVP und FPÖ bei der entscheidenden Umwidmung 2020 wird von Kritikern als Beleg dafür gesehen, dass bei wichtigen Grundstücksentscheidungen in Linz parteiübergreifend „Systemdenken“ vor Bürgerinteressen steht – und wohl auch das eine oder andere „Tauschgeschäft“ bei Abstimmungen, um eigene Projekten die Mehrheit zu verschaffen – eine Hand wäscht eben die andere.

Kritische Stimmen aus der Politik gibt es wenige, aber es gibt sie: MFG-Landesparteiobmann Joachim Aigner spricht von der „einmal mehr verlogenen Systempolitik. Dort, wo man mauscheln und sich gegenseitig zu Vorteilen und Profiten verhelfen kann, spielt Umweltschutz keine Rolle. Dasselbe System sehen wir auch beim Windkraftwahnsinn, wo es hauptsächlich ums Geschäft für einige wenige geht. Überall dort ist der Umweltschutz abgeschafft. Es ist nur noch zum Kotzen.“

Während das Aloisianum von den Einnahmen profitiert und Swietelsky lukrative Wohnungen verkauft, wird den Linzern ein weiteres Stück Grünfläche genommen. Der „Purzelbaum“ wird voraussichtlich 2028/2029 fertiggestellt sein. Bis dahin herrscht am Freinberg statt Minigolf und Familienausflügen der Baulärm vor – und danach Beton-Tristesse statt Grünland…