Tourismus-Landesrat Achleitner steht wieder mal scharf in der Kritik: Der Oberösterreichische Landesrechnungshof (LRH) hat in einem aktuellen Prüfbericht die strategische und wirtschaftliche Entwicklung der Eurothermen-Gruppe (Standorte Bad Schallerbach, Bad Ischl und Bad Hall) im Zeitraum 2019 bis 2024 analysiert. Die drei Thermen gelten als wichtige Leitbetriebe für den oberösterreichischen Tourismus und verzeichnen jährlich durchschnittlich rund 1,3 Millionen Gäste sowie rund 663 Vollzeitarbeitsplätze. Dennoch sieht der LRH jede Menge Handlungsbedarf bei Strategie, Investitionsplanung und Organisation.

Der Bericht stellt fest, dass die letzte verschriftlichte Gesamtstrategie der Gruppe aus dem Jahr 2010 stammt. Obwohl sich die Eurothermen auf dieser Basis weiterentwickelt haben, fordert der LRH nun eine aktualisierte Unternehmensstrategie sowie konkrete Detailkonzepte für die einzelnen Standorte. Zudem empfiehlt er dem Land Oberösterreich, künftig eine Gesamtübersicht über geplante Investitionen und deren Finanzierung einzufordern. Im Prüfungszeitraum flossen rund 28 Millionen Euro an Gesellschafterzuschüssen aus dem Landesbudget. Gleichzeitig sieht der LRH Potenzial für organisatorische Verbesserungen durch stärkere Standardisierung und Bündelung von Aufgaben.

„Wenn die letzte verschriftlichte Gesamtstrategie aus dem Jahr 2010 stammt und der Rechnungshof jetzt eine Neufassung sowie konkrete Detailkonzepte für die Standorte einfordert, dann ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass zentrale Fragen über Jahre nicht ausreichend geklärt wurden.“
MFG-Klubobmann Manuel Krautgartner.

Besonders kritisch bewertet der Bericht die wirtschaftliche Situation am Standort Bad Hall. Während sich die Lage in Bad Schallerbach wieder sehr gut und in Bad Ischl stabil darstellt, bleibt Bad Hall „strukturell herausgefordert“ und anhaltend defizitär. Der LRH anerkennt zwar bereits gesetzte Maßnahmen des Managements, fordert aber weitere Anstrengungen für eine nachhaltige Ergebnisverbesserung.

MFG kritisiert „jahrelange Versäumnisse“
Kritik kommt von MFG Oberösterreich, man sieht im LRH-Bericht einen klaren Handlungsbedarf. Klubobmann Manuel Krautgartner: „Wenn die letzte verschriftlichte Gesamtstrategie aus dem Jahr 2010 stammt und der Rechnungshof jetzt eine Neufassung sowie konkrete Detailkonzepte einfordert, dann ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass zentrale Fragen über Jahre nicht ausreichend geklärt wurden.“ DiMFG kritisiert insbesondere das Fehlen einer abgestimmten Gesamtplanung trotz der hohen Zuschüsse und fordert „endlich klare Entscheidungen und eine nachvollziehbare Gesamtlinie“ für den landeseigenen Leitbetrieb.

Regierung sieht „Erfolgsweg bestätigt“
Ganz anders Tourismus-Landesrat Markus Achleitner (ÖVP), der einmal mehr im Jubelmodus unterwegs ist: Er bewertet den Bericht deutlich positiver. Achleitner sagt, dass der LRH die EurothermenResorts ausdrücklich als Leitbetriebe für die heimische Touristikbranche und als bedeutenden Wirtschafts- und Arbeitsplatzfaktor anerkenne. Die Empfehlung zur Verschriftlichung der strategischen Überlegungen werde als Ergebnis der Prüfung umgesetzt. Achleitner, einst selbst Chef der Eurothermen und somit mit entsprechender rosarote Brille unterwegs, lobte die erfolgreiche Entwicklung trotz Pandemie, hoher Energiepreise und Inflation.

Weitere Stimmen aus der Politik
Die SPÖ spricht von „Licht und Schatten“: Die Thermen seien ein wichtiger Tourismusbetrieb, bräuchten aber dringend eine zukunftsorientierte Strategie. Die Grünen sehen im Bericht ein weiteres Beispiel für „schwarz-blaue Strategielosigkeit“ angesichts der hohen Landeszuschüsse ohne ausreichende Gesamtplanung.

Foto: Land OÖ