Wer um Gottes willen engagiert sich heute überhaupt noch in der Politik, von der jeder mehr oder weniger leider oft zu Recht „die Schnauze voll“ hat? Es sind überraschenderweise „ganz normale“ Leute, die nicht länger zu- oder besser gesagt wegschauen wollten. Wir waren auf Spurensuche im Bezirk Rohrbach.
Etwa 40 Minuten sind’s mit dem Auto von Linz nach Arnreit, im Herzen des Mühlvierter Bezirks Rohrbach, zwischen der gleichnamigen Bezirkshauptstadt und St. Martin gelegen. Animositäten gibt’s zwischen den Gemeinden im Mühlviertel aber keine – im Gegenteil: Hier halten die Leute noch zusammen und man tritt gemeinsam auf gegen Entscheidungen, die (gefühlt willkürlich) im Linzer Landhaus und von der Bezirks-ÖVP getroffen werden und den gesamten Bezirk Rohrbach betreffen – vom Überlebenskampf der Bauern, der Ausdünnung der ländlichen Bezirke in allen Lebensbereichen bis hin zur Windradproblematik und der geplanten Photovoltaikoffensive auf landwirtschaftlichen Flächen – alles Dinge, die ständig ohne Einbindung der Menschen beschlossen werden.
Die ÖVP hat sich von den Bezirken total entfremdet
Oder der Verkehr: Bis heute ist die Mühlkreisbahn nicht elektrifiziert, es geistern Pläne herum, diese ab Rottenegg einzustellen und von dort mit Bussen nach Rohrbach und Aigen weiterzuführen, gleichzeitig verkündet der blaue Landesrat Steinkellner eine „Infrastrukturoffensive der Nebenbahnen“… das passt alles hinten und vorne nicht zusammen, wie so vieles, was aus dem Landhaus in Linz kommt. Vor allem die ÖVP, die eigentlich für das Land und den ländlichen Bereich da sein sollte, hat sich von vielem, was hier passiert, total entfremdet, hören wir hier immer wieder.
„Weg- oder Zuschauen ist keine Option, wir wollen uns nicht irgendwann den Vorwurf gefallen lassen, nichts getan zu haben.“
Widerstand in bester Gallier-Manier
Aber eigentlich war schon die unselige Corona-Zeit vor sechs Jahren für viele der Auslöser, nicht mehr stillzuhalten und aktiv zu werden. Regionale Epizentren waren dabei Lembach, Sarleinsbach, Arnreit und St. Martin, wo sich relativ schnell Gruppen rund um das Erstarken der bürgerintiativartigen MFG gründeten. Auch in Rohrbach selbst wurden Menschen und Gruppen lose aktiv und leisteten „Widerstand“ in bester Gallier-Manier. Rund um die Gemeinderatswahlen 2021 gelang dann in Lembach (10,67 Prozent / 2 Mandate) und St. Martin (10,96 Prozent / 3 Mandate) auf Anhieb der Einzug in die Gemeinderäte.
MFG-Stammtisch in Arnreit
Seit damals trifft man sich regelmäßig zum „MFG-Gemeinschaftsabend“ bei der Wirtin z’Arnreit, wo monatlich bis zu 30 Freunde, Sympathisanten und MFG-Mitglieder zusammenkommen. Einhelliger Tenor: „Weg- oder Zuschauen ist keine Option, wir wollen uns nicht irgendwann den Vorwurf gefallen lassen, nichts getan zu haben.“
Dass es nicht mehr Gemeinden wurden, in denen MFG Sitze ergattern konnte, lag schlichtweg am Faktor Zeit: Zwischen Gründung der Bewegung und der Wahl lagen nur wenige Wochen – zu kurz, um Bürger und Interessierte zu Gruppen zu formen, die auch auf dem Wahlzettel aufscheinen. „Das war leider alles in der wenigen Zeit nicht möglich, obwohl das Interesse enorm war. Ein paar Wochen mehr und wir würden wahrscheinlich in zehn oder mehr Gemeinderäten hier vertreten sein“, sagt MFG-LAbg. Dagmar Häusler, die jede Woche in den Bezirken OÖs unterwegs ist und so für kurze kommunikative Wege bei allen Anliegen sorgt.
Aber 2027 will und wird es MFG in weiteren Gemeinden und Orten gelingen, die Saat dazu ist gelegt. Dass das möglich ist, zeigen die Ergebnisse zur Landtagswahl 2021, mit deren Stimmenanteil man in vielen Gemeinden Mandate errungen hätte, aber auf Gemeinderatsebene nicht antrat.
Ausgrenzung leider immer noch Realität
Und mit welchen Problemen ist man sonst konfrontiert, um in den Gemeinden Fuß zu fassen? Gerhard Mahringer, GR in St. Martin: „Nach wie vor ist es eine gewisse Hürde, sich als „MFGler“ zu outen, weil es viel Gegenwind aufgrund der alten ÖVP-Strukturen gibt. So berichten etwa selbstständig Tätige im Bezirk, dass manche Leute nicht mehr zu ihnen kommen oder deren Produkte erwerben, wenn man offiziell Sympathien für MFG hegt. Das ist wie im düstersten Mittelalter und einer Demokratie, die von Ideen und Diskurs lebt, unwürdig.“
Wegleugnen und Mundtot machen geht nicht mehr
Mahringer selbst hat diese Ausgrenzung auch erlebt, direkt nach der erfolgreichen Wahl 2021, wo man aus dem Stand heraus 10,96 Prozent der Stimmen holte: „Wir haben von Anfang an sehr konstruktiv mitgearbeitet, trotzdem wollte man uns, vor allem noch in der Corona-Zeit, wegleugnen und mundtot machen. Es ist aber selbst den roten und schwarzen Scheuklappen-Politikern schnell klar geworden, dass wir gute Arbeit für die Gemeinde leisten.“
- Wer ebenfalls nicht länger wegschauen will, wird in der Bezirksgruppe Rohrbach der MFG mit offenen Armen willkommen geheißen. Kontakt für Interessierte: Bezirkssprecher Reinhard Steiner, bezirk.rohrbach@mfg-regional.at


