Ein Rechenzentrum in Niederösterreich muss laut Medienberichten wegen seiner Diesel-Notstromaggregate zur Umweltverträglichkeitsprüfung. Beim gigantischen Google-Projekt in Kronstorf entschied das Land Oberösterreich 2020 genau anders. Jetzt wird plötzlich noch einmal geprüft. Der Fall wirft unangenehme Fragen über die damalige Entscheidung auf.
Der Vergleich ist bemerkenswert: In Leopoldsdorf bei Wien schreibt die niederösterreichische Behörde für ein geplantes Rechenzentrum eine UVP vor. Ausschlaggebend sind Diesel-Notstromaggregate mit insgesamt rund 470 MW Brennstoffwärmeleistung. Die Behörde argumentiert, dass die Aggregate auch dann als Feuerungsanlagen zu berücksichtigen seien, wenn sie nur bei Stromausfällen und Tests laufen. Der Bescheid ist allerdings noch nicht rechtskräftig.
Warum wurde eine umfassende UVP 2020 ausgeschlossen, obwohl selbst die Umweltanwaltschaft sie für erforderlich hielt – und warum braucht es erst sechs Jahre später und nach einer gegenteiligen Entscheidung in Niederösterreich eine neuerliche Prüfung? Gab es am Ende gar politischen Druck, um eine UVP abzuwenden?
Und in Oberösterreich? Dort entschied die Landesbehörde bereits 2020, dass für das Google-Rechenzentrum in Kronstorf keine UVP notwendig sei. Und das, obwohl laut Feststellungsbescheid bereits damals bekannt war, dass die geplanten Notstromgeneratoren im Vollausbau mehr als 200 MW thermische Kapazität erreichen könnten. Selbst die OÖ Umweltanwaltschaft vertrat damals die Auffassung, dass damit eine UVP-Pflicht gegeben sei.
Besonders brisant: Die Projektwerber in Niederösterreich führten ausgerechnet den oberösterreichischen Kronstorf-Bescheid als Argument dafür an, dass auch ihr Projekt keine UVP brauche. Die niederösterreichische Behörde folgte dieser Rechtsauffassung jedoch nicht.
Plötzlich wird wieder geprüft
Jetzt reagiert Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne). Nach einer Anfrage von ORF Wissen hat er die zuständige Fachabteilung beauftragt, die Rechtslage in Kronstorf erneut zu prüfen. Kaineder sagt, bei einem Projekt dieser Größenordnung müsse „jede rechtliche Möglichkeit für eine umfassende Umweltprüfung ausgeschöpft werden“.
Die Dimensionen sind tatsächlich enorm: Im Vollausbau könnte das Google-Rechenzentrum laut Netz OÖ bis zu 4,4 TWh Strom pro Jahr benötigen – fast ein Drittel des gesamten oberösterreichischen Stromverbrauchs von 2024.
Rendering: Google



