Der ORF bekommt ab 2027 einen neuen Generaldirektor – beim mächtigen Führungsapparat bleibt aber vieles beim Alten. Clemens Pig hat sein neues Direktionsteam präsentiert: Neben dem Generaldirektor stehen weiterhin vier zentrale Direktoren und neun Landesdirektoren an der Spitze. Macht in Summe 13 Direktoren für Österreichs öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wer auf eine Verschlankung der Strukturen gehofft hat, wird enttäuscht.

105 Personen hatten sich mit insgesamt 142 Bewerbungen für die Spitzenjobs beworben. Am Ende bestellte der ORF-Stiftungsrat alle 13 von Pig vorgeschlagenen Kandidaten mit großer Mehrheit. Sechs Führungskräfte bleiben in ihren Funktionen, sieben kommen neu dazu. Die Funktionsperiode läuft von 2027 bis 2031. 

Neue Namen, alter Apparat
In der Wiener ORF-Zentrale gibt es künftig weiterhin vier Direktionen: „Programm und Brands“, „Audience und Plattformen“, „Finanzen und Verwaltung“ sowie „Technologie und Innovation“. Dazu kommen die neun Landesdirektoren – einer für jedes Bundesland. Die Informationsagenden behält Generaldirektor Pig selbst. Das mag organisatorisch begründbar sein, die große Strukturreform ist es jedenfalls nicht.

„Dass regionale Berichterstattung und starke Landesstudios für einen öffentlich-rechtlichen Sender wichtig sind, steht außer Frage. Ob dafür allerdings in jedem Bundesland eine eigene Direktion notwendig ist, nicht.“

Gerade in Zeiten, in denen der ORF sparen muss und die Bevölkerung über den ORF-Beitrag zur Finanzierung verpflichtet ist, stellt sich die Frage, ob sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk weiterhin einen derart breit aufgestellten Führungsapparat leisten muss. Pig selbst warnte nach seiner Bestellung vor der finanziellen Lage: „Ab 2028 ist wirklich Feuer am Dach.“ Umso erstaunlicher ist, dass bei der obersten Führungsebene keine sichtbare Verschlankung erfolgt.

Neun Länder, neun Direktoren
Besonders augenfällig bleiben die neun Landesdirektionen. Auch Oberösterreich behält selbstverständlich seinen eigenen Direktor: Klaus Obereder wurde für eine weitere Periode bestätigt. Dass regionale Berichterstattung und starke Landesstudios für einen öffentlich-rechtlichen Sender wichtig sind, steht außer Frage. Ob dafür allerdings in jedem Bundesland eine eigene Direktion notwendig ist, nicht.

Selbst bei den Bezügen beginnt die Messlatte nicht gerade im unteren Bereich: Für Landesdirektoren wurde in der Ausschreibung ein Mindestjahresgehalt von 95.132,80 Euro brutto genannt, wobei je nach Ausbildung und Berufserfahrung höhere Gehälter möglich sind. 

Sparen – aber wo?
Der ORF soll moderner, digitaler und effizienter werden. Gleichzeitig bleibt an der Spitze eine Struktur mit Generaldirektor, vier zentralen Direktoren und neun Landesdirektoren bestehen. Aber neue Namen auf den Türschildern sind eben noch keine Strukturreform.
Wenn der ORF den Gebührenzahlern glaubwürdig vermitteln will, dass tatsächlich gespart und effizienter gearbeitet wird, darf die Reform nicht bei neuen Jobbezeichnungen und umverteilten Zuständigkeiten enden. Dann muss irgendwann auch die unangenehme Frage erlaubt sein: Wie viele Direktoren braucht ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk in einem Land mit neun Millionen Einwohnern tatsächlich?