Sie brauchen gewaltige Mengen Strom, Wasser und Fläche – und schaffen nach Fertigstellung vergleichsweise wenige Arbeitsplätze. Während sich deshalb international immer mehr Widerstand gegen gigantische Rechenzentren formiert und manche Regionen bereits auf die Bremse steigen, scheint Oberösterreich genau den gegenteiligen Weg einzuschlagen. Neben Googles Mega-Projekt in Kronstorf liegen laut Medienberichten bereits vier weitere Anfragen für Netzanschlüsse von Rechenzentren vor. Eines davon könnte sogar doppelt so groß werden wie Google im geplanten Vollausbau.
Der weltweite KI-Boom hat einen neuen Wettlauf ausgelöst: Google, Microsoft, Meta & Co. benötigen immer mehr Rechenleistung und damit immer größere Serverfarmen. Oberösterreichs Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner sieht darin eine große Chance für den Wirtschaftsstandort, blendet aber die Risiken total aus.
Doch international kippt die Stimmung zunehmend. Der Grund: Der enorme Ressourcenhunger der sogenannten Hyperscaler. Stromnetze müssen massiv ausgebaut werden, Kühlung benötigt teils enorme Wassermengen und für riesige Hallen werden große Flächen verbaut. New York verhängte 2026 ein einjähriges Moratorium für neue Rechenzentren ab 50 Megawatt, Amsterdam hat den Bau neuer Datacenter innerhalb der Stadt bis 2030 weitgehend gestoppt. Auch Irland knüpft neue Netzanschlüsse inzwischen an strenge Bedingungen. Selbst im bisher ausgesprochen wirtschaftsfreundlichen Texas wurden neue Netzanschlüsse vorerst gestoppt und Projekte einer genaueren Prüfung unterzogen.
Kronstorf: 50 Hektar und bis zu 500 Megawatt
Wie gigantisch die Dimensionen werden können, zeigt Google in Kronstorf. Rund 50 Hektar Fläche umfasst das Areal. Ursprünglich war von maximal 150 Megawatt Anschlussleistung die Rede, mittlerweile liegt für den Vollausbau ein Projekt mit bis zu 500 Megawatt auf dem Tisch.
Rechnerisch könnten bei dauerhafter Volllast damit bis zu 4,4 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr benötigt werden – eine Größenordnung von fast einem Drittel des derzeitigen gesamten oberösterreichischen Stromverbrauchs.
Auch beim Wasser sind die Dimensionen enorm: Laut wasserrechtlicher Bewilligung sind Entnahmen von bis zu 15,2 Millionen Litern pro Tag beziehungsweise 5,55 Milliarden Litern pro Jahr möglich. Zwar wird ein Teil davon wieder zurückgeleitet, ein erheblicher Teil kann durch das Kühlsystem jedoch verdunsten. Dem gegenüber stehen laut Google lediglich rund 100 dauerhafte Arbeitsplätze.
Widerstand wird immer lauter
Was lange Zeit nahezu geräuschlos vorbereitet wurde, sorgt deshalb inzwischen für Proteste. Im Juli demonstrierten mehrere hundert Menschen vor der Google-Baustelle in Kronstorf. Ende August erreichte der Protest eine neue Stufe: Aktivisten der Initiative „Rechenzentren Nein Danke!“ erklommen die Baustelle und entrollten ein riesiges Transparent mit der Aufschrift „RECHENZENTRUM? NEIN, DANKE!“. Gefordert werden unter anderem ein Baustopp und mehr Transparenz. Kritisiert werden Strom- und Wasserverbrauch, Bodenversiegelung sowie mögliche Auswirkungen auf Strompreise und Netzausbau.
Jetzt könnten noch vier weitere Serverfarmen kommen
Umso bemerkenswerter ist, was derzeit beim oberösterreichischen Stromnetzbetreiber aufschlägt: Neben Google gibt es bereits vier weitere Anfragen für Netzanschlüsse von Rechenzentren. Wer dahintersteckt, wird mit Verweis auf Datenschutz und Geschäftsgeheimnisse nicht bekannt gegeben. Medienberichten zufolge sollen zwei Interessenten aus den USA und einer aus Europa stammen. Die vierte Anfrage sprengt jedoch alle bisherigen Dimensionen: Für ein großes Grundstück im Innviertel soll eine Anschlussleistung von einem Gigawatt – also 1.000 Megawatt – angefragt worden sein. Das wäre die doppelte Leistung des derzeit geplanten Google-Vollausbaus in Kronstorf.
Ob diese Projekte tatsächlich gebaut werden, ist völlig offen. Netzbetreiber sprechen derzeit von einer regelrechten „Goldgräberstimmung“ und einer Flut von Anfragen. Bleibt die Frage: Wie viele dieser gigantischen Land-, Ressourcen- und Stromverbraucher kann und will sich Oberösterreich überhaupt leisten?
Foto: Land OÖ / Mayerhofer



