Der Widerstand gegen das geplante Google-Rechenzentrum in Kronstorf verlagert sich heute nach Linz. Ab 15 Uhr ruft die „Bürger:innen Initiative Kronstorf“ zu einer Kundgebung und einem Demonstrationszug durch die Innenstadt auf. Im Mittelpunkt stehen der enorme Strom- und Wasserbedarf des Projekts, Bodenversiegelung, Umweltauswirkungen und die Frage, wie viel Mitsprache die Bevölkerung bei einem Infrastrukturprojekt dieser Dimension haben sollte.

„Von Kronstorf lernen! Für eine transparente und klimafreundliche Digitalisierung kämpfen“ – unter diesem Motto geht die Bürgerinitiative heute, Donnerstag, auf die Straße. Treffpunkt ist um 15 Uhr vor dem Landhaus, nach mehreren Redebeiträgen zieht die Demonstration zum Linzer Hauptplatz und später weiter Richtung Stadtwerkstatt.

„Damit Datenströme fließen, glüht oben der Asphalt“
Die Initiative wählt drastische Worte. Sie warnt vor den Auswirkungen immer größerer digitaler Infrastruktur und kritisiert insbesondere den Flächen-, Energie- und Wasserbedarf des in Kronstorf geplanten Google-Rechenzentrums. „Damit unten Datenströme fließen können, glüht oben der Asphalt“, heißt es im Aufruf. Man wolle sich nicht damit abfinden, dass „unsere Zukunft durch einen Algorithmus bestimmt“ werde.

Tatsächlich hat das Kronstorfer Projekt Dimensionen, die weit über ein gewöhnliches Betriebsbaugebiet hinausgehen. Für den Vollausbau steht eine Anschlussleistung von bis zu 500 Megawatt im Raum. Würde diese Leistung ganzjährig ausgeschöpft, entspräche das rechnerisch bis zu 4,4 Terawattstunden Strom pro Jahr. Auch beim Wasser sind beträchtliche Mengen genehmigt: Die maximale jährliche Entnahme liegt bei rund 5,55 Millionen Kubikmetern.

Genau diese Größenordnungen sorgen seit Monaten für Diskussionen: Wie viel zusätzliche Energieinfrastruktur wird benötigt? Welche Auswirkungen hat die Kühlung auf den Wasserhaushalt? Wer trägt die Kosten notwendiger Netzausbauten? Und wie groß ist der volkswirtschaftliche Nutzen angesichts einer vergleichsweise überschaubaren Zahl dauerhafter Arbeitsplätze?

Von Boden und Wasser bis zu KI und Datensicherheit
Bei der Kundgebung soll es deshalb nicht nur um Kronstorf selbst gehen. Geplant sind Beiträge zu Boden und Wasser, Arbeitsbedingungen, Datensicherheit, nachhaltiger Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Zu Wort kommen unter anderem Christina Gruber von der Bürgerinitiative, Dieter Wallentin von „da huat brennt“, Lisa Aigelsberger von Südwind OÖ, Werner Scholl von „Guter Grund“, Davide Bevilacqua von Servus.at und Felix Stalder.

Um 15.45 Uhr soll sich der Demonstrationszug Richtung Hauptplatz in Bewegung setzen. Dort ist von 16 bis 16.10 Uhr im Rahmen des Ars Electronica Festivals die Aktion „Flood the Zone with Courage“ vorgesehen. Um 16.45 Uhr geht es von der Dreifaltigkeitssäule weiter zur Stadtwerkstatt, wo die Kundgebung gegen 17 Uhr endet.

Fotos: Google, BI Kronstorf