Corona ist wieder da – diesmal nennt sich die Variante „Frankenstein“, dennoch fürchtet sich niemand mehr. Das ist das völlig andere als noch vor wenigen Jahren: Angst und Panik haben keine Chance mehr. Der Kontrast zu den Pandemiejahren könnte größer kaum sein – und wirft im Rückblick einige unbequeme Fragen auf.

Noch vor wenigen Jahren bestimmten Corona-Zahlen den Tagesablauf – und vor allem die Schlagzeilen. Inzidenzen wurden täglich vermeldet, Pressekonferenzen live übertragen, Kontakte nachverfolgt und Menschen in Quarantäne geschickt. Es gab Lockdowns, Maskenpflicht, 2G- und 3G-Regeln, Massentests und schließlich sogar eine – wenn auch nie tatsächlich vollzogene – gesetzliche Impfpflicht. Und wozu das alles? Heute weiß man: Es war großteils heiße Luft und völlig sinnbefreite Panikmache. Über die wahren Gründe der politisch Verantwortlichen wird bis heute spekuliert.

Völlig überzogen: Die heimische Politik arbeitet zur Corona-Zeit mit Drohungen, Einschüchterungen und Verletzungen von Grundrechten.

Neue Varianten wurden mit großer Aufmerksamkeit begleitet. Politik, Medien und Experten diskutierten beinahe täglich darüber, welche Einschränkungen als Nächstes notwendig sein könnten. Corona dominierte über lange Zeit nicht nur das Gesundheitssystem, sondern weite Teile des gesellschaftlichen Lebens. Grenzen wurden in Sachen Grundrechte mehrfach und ganz bewusst überschritten.

Das Virus ist noch da – der Alarm ist weg
Heute sieht die Welt völlig anders aus. SARS-CoV-2 zirkuliert weiterhin und wird von der AGES gemeinsam mit Influenza und RSV im österreichischen Abwasser überwacht. Dabei werden auch die auftretenden Virusvarianten analysiert. Trotzdem gibt es keine täglichen Corona-Pressekonferenzen mehr, keine Inzidenz-Ticker, keine Zutrittskontrollen und kaum jemanden, der bei jedem Husten nach einem Corona-Test fragt. Und: Corona ist – völlig „überraschend“ – schon lange keine tödliche Gefahr mehr. Corona ist vom politischen Ausnahmezustand und von der Todesseuche zum weitgehend normalen Atemwegsinfekt im Alltag geworden. Man könnte auch sagen: Den Corona-Schmäh glaubt heute keiner mehr.

War damals wirklich alles verhältnismäßig?
War tatsächlich jede Einschränkung notwendig und verhältnismäßig? Mussten Kinder und Jugendliche derart stark belastet werden? War die zeitweise gesellschaftliche Ausgrenzung Ungeimpfter gerechtfertigt? Und wurde abweichenden wissenschaftlichen und politischen Positionen genügend Raum gegeben, obwohl damals bereits nach wenigen Wochen klar war, dass es die große Bedrohung gar nicht gab, sondern diese (manche sagen ganz bewusst) herbeifantasiert wurde?

Maximal skurril: Corona-Teilsperren von jedem zweiten öffentlichen Pissoir.
Maximal skurril: Corona-Teilsperren von jedem zweiten öffentlichen Pissoir.

Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet die von der Bundesregierung beauftragte ÖAW-Studie (Österreichische Akademie der Wissenschaften) zur Corona-Zeit den entstandenen Vertrauensverlust in Politik, Wissenschaft und Medien als zentrales Problem beschreibt. Die Forscher plädierten unter anderem für breitere und ergebnisoffenere Debatten sowie eine klare Trennung der Rollen von Politik, Wissenschaft und Medien. 

Eine umfassende politische Aufarbeitung fehlt weiterhin
Eine echte politische Aufarbeitung der konkreten Entscheidungen und Verantwortlichkeiten ist in Österreich bis heute umstritten. Zwar initiierte die Bundesregierung 2023 einen „Aufarbeitungsprozess mit wissenschaftlichen Fallstudien und Bürgerdialog“, das Ergebnis ist aber das Papier nicht wert, auf dem der Bericht gedruckt wurde. Die ÖAW stellte selbst ausdrücklich klar, dass dabei nicht die Bewertung vergangener Entscheidungen und Maßnahmen im Mittelpunkt stand. Der Leiter dieser Studie, ÖAW-Soziologe Alexander Bogner, urteilte später selbst, die gesellschaftliche Aufarbeitung habe sich „in sehr engen Grenzen gehalten“. 

Würde man heute genauso intensiv auf eine Corona-Infektion testen wie vor fünf Jahren, würde die Politik wohl wieder einen Lockdown ausrufen.

MFG versucht eigene Aufarbeitung
Die FPÖ jammerte, hat aber selbst bis heute nichts zur Aufarbeitung beigetragen. Anders MFG – dort hat man mit dem Außerparlamentarischen Corona-Untersuchungsausschuss (APCU) eine eigene Plattform geschaffen, die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen der Corona-Maßnahmen untersucht. Thematisiert werden dort unter anderem politische Entscheidungen, Verantwortlichkeiten und mögliche Konsequenzen für zukünftige Krisen. Dass damit zumindest versucht wird, die kontroversen Fragen der Corona-Jahre weiterhin öffentlich zu diskutieren, ist bemerkenswert.

Corona ist geblieben – die Hysterie nicht
Fünf oder sechs Jahre später wirkt vieles, was damals den Alltag beherrschte, erstaunlich weit entfernt, ja fast schon absurd. Das Virus existiert weiterhin. Es mutiert weiterhin, Menschen infizieren sich weiterhin. Alleine: es interessiert keinen mehr, weil der Unterschied zu einer großteils harmlosen mal stärkeren, mal schwächeren verkühlen oder Grippeinfektion nicht bemerkbar ist – wie schon damals übrigens. Viele waren an Corona „erkrankt“ und merkten es nicht mal. Würde man heute genauso intensiv auf eine Corona-Infektion testen wie vor fünf Jahren, würde die Politik wohl wieder einen Lockdown ausrufen.