Eistee um fast 30 Prozent teurer, Aufschläge sogar auf zuckerfreie Light- und Zero-Getränke, alkoholfreies Bier und Haferdrinks: Während Deutschland genau so eine Zuckersteuer 2028 an den Start bringen will, wird die neue Abgabe nun auch in Österreich zum Thema. SPÖ-Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig fordert deren Einführung, Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) bezeichnet die Zuckersteuer als „interessante Idee“. Für Konsumenten könnte das die nächste empfindliche Belastung an der Supermarktkassa bedeuten. MFG-Gesundheitssprecherin Dagmar Häusler findet klare Worte.
Hunderte Millionen aus der Zuckersteuer
Wie lukrativ eine solche Steuer für den Staat sein kann, zeigt Deutschland: Dort werden für eine geplante Zuckersteuer Einnahmen von rund 650 Millionen Euro jährlich erwartet. Die Abgabe soll vor allem zuckergesüßte Getränke treffen und nach dem Zuckergehalt gestaffelt werden.
Für Österreich existiert bislang keine offizielle Einnahmenprognose, weil weder Einführung noch Steuersätze beschlossen sind. Rechnet man das deutsche Aufkommen jedoch grob entsprechend der Bevölkerungsgröße auf Österreich herunter, landet man in einer Größenordnung von rund 70 bis 75 Millionen Euro pro Jahr. Das wären zusätzliche Millionen, die letztlich über höhere Produktpreise finanziert würden.
Aus 2,10 Euro könnten 2,72 Euro werden
Wie kräftig die Preissteigerungen ausfallen könnten, zeigt ein Rechenbeispiel nach einem in Deutschland diskutierten Modell: Für Getränke mit mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter stehen rund 26 Cent Steuer pro Liter im Raum, bei mehr als acht Gramm wären es 32 Cent. Nimmt man beispielsweise einen Pfanner Eistee mit 6,7 Gramm Zucker pro 100 Milliliter, würden bei zwei Litern 52 Cent Steuer anfallen. Würde diese Belastung vollständig auf den Verkaufspreis überwälzt und darauf zusätzlich Umsatzsteuer verrechnet, könnte aus einer angenommenen 2,10-Euro-Flasche rechnerisch ein Preis von rund 2,72 Euro werden – fast 30 Prozent mehr.
Je nach konkreter Ausgestaltung könnten auch Produkte betroffen sein, die man auf den ersten Blick kaum mit einer klassischen „Zuckerbombe“ verbindet. In den derzeit diskutierten Modellen sollen etwa auch Zero-Getränke mit Süßstoffen, alkoholfreies Bier oder bestimmte Pflanzendrinks besteuert werden. Der Bio Haferdrink (1 l) einer bekannten Marke enthält etwa 4,9 g Zucker. Der Preis in Deutschland etwa würde von heute 0,79 Euro auf künftig 1,10 Euro steigen.
Ausgerechnet jetzt eine neue Lebensmittelsteuer?
Besonders brisant ist der Zeitpunkt. Österreich kämpft seit Jahren mit hohen Lebensmittelpreisen. Gleichzeitig versucht die Bundesregierung, die Teuerung ausgerechnet durch eine Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel zu bekämpfen. Diese Maßnahme kostet den Staat rund 400 Millionen Euro pro Jahr. Auf der einen Seite werden Lebensmittel also steuerlich entlastet, auf der anderen Seite diskutiert die SPÖ bereits über die nächste Abgabe.
Auch die heimische Lebensmittelindustrie läuft Sturm. Der Fachverband der Lebensmittelindustrie warnt vor höheren Preisen, einer Schwächung der Kaufkraft und zusätzlichen Belastungen für heimische Betriebe. Interessant dabei: Laut Branchenangaben ist der österreichische Pro-Kopf-Zuckerkonsum seit Mitte der 1990er-Jahre bereits um rund 30 Prozent gesunken und lag 2024/25 bei 26,8 Kilogramm.
Der Finanzminister findet die Idee „interessant“
Finanzminister Markus Marterbauer macht jedenfalls keinen Hehl daraus, dass er einer solchen Abgabe etwas abgewinnen kann. Auf die Frage nach einer Zuckersteuer verwies er auf Tabak- und Alkoholsteuern und bezeichnete entsprechende Überlegungen als „interessante Ideen“.
Kritik kommt von MFG: neue Abgaben auf Lebensmittel lehnt man grundsätzlich ab. Bereits im Jänner 2025 bezeichnete Landtagsabgeordnete und MFG-Gesundheitssprecherin Dagmar Häusler die Zuckersteuer als eine „fadenscheinige politische Aktion“. Eine zusätzliche Steuer löse das eigentliche Problem der Fehlernährung nicht. Statt über höhere Preise das Verhalten zu steuern, setzt die MFG auf Aufklärung, Transparenz bei Inhaltsstoffen und Eigenverantwortung. MFG fordert sogar den gegenteiligen Weg: „Null Prozent Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, aber keine „zusätzlichen Steuern, Verbote oder staatliche Bevormundung“…



