Fast 1.000 Windräder – nur für zwei Großprojekte? Der enorme Stromhunger des geplanten Google-Rechenzentrums in Kronstorf und der neuen Elektroöfen der voestalpine zeigt, vor welchen Dimensionen die Energiewende tatsächlich steht. Wer den Eindruck erweckt, Österreich könne seinen massiv steigenden Strombedarf einfach mit ein paar zusätzlichen Windparks decken, blendet die Größenordnungen aus. Zum Vergleich: Aktuell gibt es in Oberösterreich gerade mal 31 (!) Windkraftanlagen…

Das Google-Rechenzentrum in Kronstorf könnte im Vollausbau zum gigantischen Stromverbraucher werden. Netz Oberösterreich rechnet bei einer möglichen Ausbaustufe von 500 Megawatt mit einem Jahresverbrauch von bis zu 4,4 Terawattstunden (TWh). Das entspricht fast einem Drittel des derzeitigen gesamten Stromverbrauchs Oberösterreichs.

Google allein: Strom von rund 660 Windrädern
Rechnet man mit dem durchschnittlichen Jahresertrag des derzeitigen österreichischen Windkraftbestands, liefert ein Windrad rechnerisch etwa 6,7 GWh pro Jahr. Um die möglichen 4,4 TWh Jahresverbrauch von Google ausschließlich mit Windkraft abzudecken, wären damit rechnerisch rund 660, etwa 290 Meter hohe Windräder der neuesten Generation erforderlich. Und das nur für ein einziges Rechenzentrum. Der steigende Stromverbrauch für die E-Mobilität usw. ist hier nicht gar nicht berücksichtigt.

Green Steel: Noch einmal rund 300 Windräder
Parallel dazu elektrifiziert die voestalpine ihre Stahlproduktion. Die ersten beiden Elektrolichtbogenöfen in Linz und Donawitz sollen 2027 in Betrieb gehen. Laut voestalpine bedeutet allein dieser erste Elektrifizierungsschritt einen zusätzlichen externen Strombedarf von rund 2 TWh jährlich. Umgerechnet auf den durchschnittlichen österreichischen Windstromertrag wären dafür nochmals knapp 300 Windräder nötig. Google und die erste Green-Steel-Stufe zusammen kommen damit auf rund 6,4 TWh zusätzlichen Strombedarf pro Jahr. Zum Vergleich: Ganz Österreich erzeugte 2025 mit seinen 1.447 Windrädern rund 9,7 TWh Windstrom.

Das entspricht in Summe rechnerisch der Jahresproduktion von rund 960 durchschnittlichen österreichischen Windrädern. Zum Vergleich: In ganz Österreich stehen derzeit 1.447 Windkraftanlagen. In Oberösterreich sind es gerade einmal 31. Oberösterreich müsste die Anzahl seiner Anlagen also mindestens verzwanzigfachen (!), nur um die zusätzliche Menge Strom „erneuerbar“ zu produzieren. Bleibt die Frage: Wo soll all der grüne Strom herkommen? Denn klar ist: „Green“ ist der Linzer Stahl nur, wenn es der benötigte Strom auch ist – und dieser nicht wie schon jetzt aus dem werkseigenen kalorischen Kraftwerk der voestalpine kommt…