4,1 Millionen Euro Honorare für eine einzige Kommunikationsagentur, mehr als 50.000 Euro monatlich für Kommunikationsleistungen und insgesamt 318 ausgeschriebene Aufträge mit einem Volumen von 102 Millionen Euro: Neue Unterlagen zeigen, welche Dimensionen PR, Marketing und Beratung unter dem mittlerweile zurückgetretenen Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck angenommen haben. Brisant sind solche Summen auch deshalb, weil sich die Wirtschaftskammer über verpflichtende Umlagen ihrer Mitglieder finanziert – und gleichzeitig beträchtliche finanzielle Polster aufgebaut hat. Allein die Wirtschaftskammer Oberösterreich verfügte zuletzt über Rücklagen in dreistelliger Millionenhöhe.

Neue Unterlagen, über die die „Krone“ berichtet, geben Einblick in die Ausgaben der Wirtschaftskammer Wien während der Ära von Walter Ruck. Besonders auffällig sind dabei die Kosten für externe Kommunikation und Beratung.

Die Agentur Mindworker von Rudolf Fußi verrechnete zwischen 2016 und 2025 laut Bericht insgesamt 4,1 Millionen Euro an Honoraren für Beratungs- und Kommunikationsleistungen. Die monatlichen Beträge stiegen kräftig: 2018 waren es 31.788 Euro für Social-Media-Beratung, 2020 bereits 37.375 Euro für pauschale Kommunikationsleistungen und 2023 sowie 2024 schließlich 50.643,60 Euro pro Monat.

Darin enthalten waren 2023 unter anderem monatlich 5.044 Euro netto für Social-Media-Betreuung inklusive Rucks Facebook-Account, 3.880 Euro für 20 Stunden Beratung des Präsidenten sowie 2.716 Euro für die Wochenend- und Feiertagsbereitschaft des Agenturchefs. Bemerkenswert: Die Wirtschaftskammer Wien verfügt selbst über einen eigenen Kommunikationsapparat.

318 Aufträge – Volumen von 102 Millionen Euro
Noch größer wird die Dimension beim Blick auf die gesamten Ausschreibungen. Zwischen September 2019 und September 2026 schrieb die Wirtschaftskammer Wien laut „Krone“ 318 Aufträge mit einem Gesamtvolumen von 102 Millionen Euro aus. Besonders große Bereiche waren Marketing und Druck. Allein die PR-Ausgaben hätten sich unter Ruck vervielfacht und zuletzt knapp eine Million Euro jährlich erreicht.

Die Kammer verteidigt die höheren Kommunikationsausgaben mit den zahlreichen Krisen seit 2015 und dem daraus entstandenen erhöhten Informationsbedarf. Fußi wiederum verweist darauf, dass seine Agentur europaweite Ausschreibungen gewonnen, zeitweise bis zu zehn Mitarbeiter eingesetzt und unter branchenüblichen Stundensätzen gearbeitet habe.

Wirtschaftskammer OÖ: 113,5 Millionen Euro Rücklagen
Dass solche Summen für Unternehmer besonders sensibel sind, zeigt ein Blick nach Oberösterreich. Laut einem 2024 im Wirtschaftsparlament der WKOÖ eingebrachten Antrag verfügte die Wirtschaftskammer Oberösterreich Ende 2023 über rund 113,5 Millionen Euro an Rücklagen. Davon entfielen rund 37,3 Millionen Euro auf gebundene Kapitalrücklagen, 14,9 Millionen auf satzungsgemäße und rund 60,8 Millionen Euro auf freie Rücklagen.

Gleichzeitig fließen Jahr für Jahr beträchtliche Umlagen. Im Rechnungsabschluss 2025 weist die WKOÖ 22,49 Millionen Euro aus der Kammerumlage 1 und 46,57 Millionen Euro aus der Kammerumlage 2 aus – zusammen also rund 69,1 Millionen Euro. Die gesamten Umsatzerlöse, Umlagen und Gebühren erreichten 86,36 Millionen Euro.

MFG: „System aus dem Gleichgewicht“
Scharfe Kritik am Kammersystem kommt auch von der MFG Oberösterreich. Landesparteiobmann Joachim Aigner kritisierte bereits in der Vergangenheit, es passe nicht zusammen, „Pflichtbeiträge einzuziehen, während gleichzeitig interne Gehaltsdebatten die Kammer erschüttern“. MFG fordert deshalb die Abschaffung der verpflichtenden Wirtschaftskammer-Mitgliedschaft und eine freiwillige Lösung. Angesichts millionenschwerer Rücklagen der WKOÖ und der nun bekannt gewordenen hohen Ausgaben in Wien bekommt diese Forderung zusätzliche Aktualität.

Foto: WKOÖ/Röbl