Ein Jahr vor der Landtagswahl gerät die politische Landschaft zunehmend in Bewegung. Deutschland erlebt massive Verschiebungen, auch in Österreich verlieren traditionelle Parteibindungen immer weiter an Bedeutung. Gleichzeitig zeigt sich: Selbst langjährige Nichtwähler können wieder mobilisiert werden. Könnten davon neue Kräfte wie MFG 2027 profitieren?

Oberösterreich hat bereits erlebt, wie schnell so etwas gehen kann. MFG wurde erst im Februar 2021 gegründet. Nur sieben Monate später holte die Partei bei der Landtagswahl aus dem Stand 6,23 Prozent und drei Mandate. Joachim Aigner, Dagmar Häusler und Manuel Krautgartner zogen in den Landtag ein. Entstanden ist MFG wesentlich aus dem Widerstand gegen die Corona-Politik. Fünf Jahre später stellt sich eine andere Frage: Kann aus der damaligen Protestbewegung eine dauerhafte politische Kraft werden? Die Zeichen dafür stehen gut, weil die klassische Politik erodiert.

Es ist möglich: Nichtwähler sind zurückholbar
Wie schnell sich politische Verhältnisse verändern können, zeigte die deutsche Bundestagswahl 2025. Die AfD verdoppelte ihren Zweitstimmenanteil von 10,4 auf 20,8 Prozent, gleichzeitig stieg die Wahlbeteiligung von 76,4 auf 82,5 Prozent – den höchsten Wert seit 1987. Auch bei den Landtagswahlen in den letzten Wochen zeigte sich dieser Trend sehr stark.

Für Neustarter wie MFG liegt darin eine Chance, aber auch die große Herausforderung: Kann sie auch Menschen erreichen, die mit den etablierten Parteien abgeschlossen haben und zuletzt gar nicht mehr gewählt haben?

Krautgartner: „Es fehlt eine Kraft“
Manuel Krautgartner sieht gerade im kritischen Hinterfragen die Aufgabe seiner Partei. Menschen als „Schwurbler“ oder „Wissenschaftsleugner“ abzustempeln, ersetze keinen sachlichen Diskurs. „Im politischen Spektrum Österreichs fehlt eine Kraft, die sich für Demokratie und Grundrechte einsetzt, den wissenschaftlichen Diskurs und freie Meinungsäußerung fördert.“

Deutschland wählte zuletzt massiv gegen ein „Weiter so“ – und Oberösterreich?

Häusler: „Der Bevölkerung verpflichtet“
Dagmar Häusler wiederum will Politik stärker von den Bürgern her denken: „Wir sind der Bevölkerung und ihren Aufträgen an uns verpflichtet.“ Sie fordert weniger klassische Berufspolitik, mehr unabhängige Expertise und eine Politik, die sich nicht von Konzerninteressen beeinflussen lässt. Bestehende Strukturen müssten hinterfragt werden.

Aigner: Grundrechte bleiben Kern
Für MFG-Chef Joachim Aigner waren die Grund- und Freiheitsrechte bereits bei der Parteigründung das zentrale Thema: „Die Wiederherstellung der Grund- und Freiheitsrechte für die in Österreich lebenden Menschen ist ein zentrales Thema unserer Bewegung.“ Auch im Gesundheitswesen fordert Aigner einen anderen Schwerpunkt: Prävention und Gesundheitsförderung müssten wichtiger werden – „Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen, nicht das Geld.“

2027 wird zum Härtetest
MFG schaffte 2021 etwas, das nur wenige für möglich gehalten hatten: Von der Parteigründung innerhalb weniger Monate direkt in den Landtag. Nun muss sie beweisen, dass sie mehr ist als ein Produkt der Corona-Jahre. In einer Parteienlandschaft, in der Bindungen bröckeln und Nichtwähler wieder erreichbar werden, könnte gerade für kleinere und neue Kräfte politischer Raum entstehen. Ob MFG diesen Raum 2027 nutzen kann, entscheiden letztlich die oberösterreichischen Wähler. Deutschland wählte zuletzt massiv gegen ein „Weiter so“ – und Oberösterreich?