Die EU dreht die Sanktionsschraube gegen Russland weiter. Mittlerweile sind 21 Pakete beschlossen. Während Brüssel den wirtschaftlichen Druck auf Moskau erhöhen will, steckt Österreich selbst in einer hartnäckigen Wirtschaftsflaute: zwei Rezessionsjahre, eine angeschlagene Industrie, steigende Arbeitslosigkeit und Energiepreise, die für Unternehmen längst zum Standortproblem geworden sind.
Das jüngste EU-Paket gegen Russland ist auf dem Weg, die „Paketsteuer“ bezahlt allerdings Europa. Es umfasst weitere Sanktionen gegen 48 Personen und 170 Organisationen, zusätzliche Einschränkungen für Banken, Kryptowährungen und den Handel sowie Maßnahmen gegen 41 weitere Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte. Nach vier Jahren und 21 Paketen stellt sich allerdings immer drängender die Frage nach der wirtschaftlichen Rechnung für Europa selbst.
Österreich: zwei Jahre Rezession
Gerade Österreich hat seit der Energiekrise massiv an Boden verloren. Laut EU-Kommission schrumpfte das österreichische BIP 2023 und 2024 zusammengerechnet um rund 1,4 Prozent, während die EU-Wirtschaft gleichzeitig um etwa 1,5 Prozent wuchs. 2025 folgte mit 0,6 Prozent ein bescheidenes Plus, für 2026 prognostiziert die Kommission ebenfalls nur 0,6 Prozent Wachstum.
Besonders hart traf es die Industrie: Zwischen 2022 und 2024 sank deren Bruttowertschöpfung laut EU-Kommission um fast neun Prozent. Als wesentliche Ursachen nennt sie hohe Energiekosten und den zunehmenden globalen Wettbewerb. Die Strompreise für die Industrie hatten sich zwischen 2021 und 2023 nahezu verdoppelt.
Auch am Arbeitsmarkt sind die Spuren sichtbar. Die international vergleichbare Arbeitslosenquote Österreichs stieg von 4,8 Prozent 2022 auf 5,7 Prozent 2025. Für 2026 erwartet die EU-Kommission 5,8 Prozent.
Russland handelt längst anderswo
Gleichzeitig hat sich der Welthandel verschoben. Russland verkauft Rohstoffe und andere Waren verstärkt außerhalb Europas und wickelt einen erheblichen Teil seines Handels inzwischen mit Staaten wie China und Indien ab. Gerade bei russischem Öl wurde Indien zu einem wichtigen Abnehmer, während China seine Rolle als zentraler Handelspartner Russlands ausgebaut hat.
„Ein Industrieland wie Österreich braucht vor allem leistbare und verlässlich verfügbare Energie. Die Abkehr von russischem Gas bei gleichzeitig teureren Energieimporten ist eine Gefahr für Wettbewerbsfähigkeit, Industriearbeitsplätze und Wohlstand.“
Europa kann seinen eigenen Handel mit Russland beschränken. Es kann aber nicht verhindern, dass russische Rohstoffe, Waren und Geldströme andere Wege über große Volkswirtschaften außerhalb der EU finden. Damit stellt sich nach mittlerweile 21 Runden zunehmend auch die Frage, wie das Verhältnis zwischen dem zusätzlichen wirtschaftlichen Druck auf Russland und den Kosten für Europas eigene Wettbewerbsfähigkeit aussieht.
Aigner: Kritik an Sanktionen und Energiepolitik
In Oberösterreich kommt deutlicher Widerstand gegen diesen Kurs von der MFG. Landesparteiobmann Joachim Aigner fordert seit Jahren ein Ende der Russland-Sanktionen und kritisiert insbesondere die energiepolitischen Folgen für Österreich.
Aigner sagt, ein Industrieland wie Österreich braucht vor allem leistbare und verlässlich verfügbare Energie. Die Abkehr von russischem Gas bei gleichzeitig teureren Energieimporten sieht die MFG als Gefahr für Wettbewerbsfähigkeit, Industriearbeitsplätze und Wohlstand. MFG fordert deshalb ausdrücklich ein Ende der Russland-Sanktionen und einen stärkeren Fokus auf wirtschaftliche Interessen und Versorgungssicherheit.
Aigner verbindet diese Kritik zudem mit der österreichischen Neutralität. Statt einer immer stärkeren Einbindung Österreichs in die außen- und sicherheitspolitische Linie der EU fordert die MFG stärkere diplomatische Initiativen. Seine Position dazu brachte Aigner bereits mit dem Satz auf den Punkt: „Waffenlieferungen schaffen keinen Frieden – nur die Diplomatie.“
(Titelfoto: Symbolbild KI-generiert)



