Ab 2027 werden Österreichs Netztarife grundlegend umgebaut. Was als „Belohnung für Flexibilität“ verkauft wird, könnte für viele Haushalte zum Problem werden: Künftig zählt stärker, wann und wie viel Strom gleichzeitig aus dem Netz bezogen wird. Wer seinen Verbrauch nicht zeitlich verschieben kann, hat weniger Möglichkeiten, seine Netzkosten zu reduzieren.

Die Idee der E-Control klingt technisch logisch: Lastspitzen sollen vermieden und die vorhandenen Stromnetze besser ausgelastet werden. Langfristig könnten dadurch laut Regulierungsbehörde rund 300 Millionen Euro an künftigen Netzkosten vermieden werden. 

Doch das Modell kollidiert mit dem Alltag vieler Menschen. Familien kochen dann, wenn alle zu Hause sind. Berufstätige waschen und laden Geräte häufig am Abend. Eine Wärmepumpe läuft, wenn Wärme benötigt wird. Und wer sein E-Auto nach der Arbeit ansteckt, möchte am nächsten Morgen wieder fahren können.

Genau diese Gleichzeitigkeit wird künftig stärker berücksichtigt. Neben den verbrauchten Kilowattstunden gewinnt die Leistungsspitze an Bedeutung. Wer mehrere große Verbraucher gleichzeitig betreibt, kann dadurch stärker belastet werden. Umgekehrt gibt es Vergünstigungen für jene, die ihren Verbrauch in bestimmte Zeiten verschieben oder steuerbare Leistung zur Verfügung stellen. 

Flexibilität muss man sich leisten können – aber wer kann das?
Besonders profitieren können Haushalte mit steuerbarer Wallbox, Batteriespeicher, intelligenter Haustechnik oder anderen Möglichkeiten, den Stromverbrauch automatisch zu verschieben. Wer diese Technik nicht besitzt oder schlicht einen wenig flexiblen Tagesablauf hat, kann solche Vorteile wesentlich schlechter nutzen.

Verkehrte Welt: Nicht mehr nur sparsamer Stromverbrauch zählt – künftig soll man Strom auch zum „richtigen“ Zeitpunkt verbrauchen. Und die Reform bedeutet keineswegs, dass Stromnetze insgesamt billiger werden. Die E-Control selbst verweist auf den hohen Investitionsbedarf und hält ein Absinken der Netzentgelte derzeit nicht für absehbar. Die angekündigten 300 Millionen Euro sind zudem keine unmittelbare Ersparnis auf den Rechnungen ab 2027, sondern langfristig vermeidbare zusätzliche Netzkosten.

Unter dem Strich steht damit keine allgemeine Verbilligung, sondern eine neue Verteilung der Kosten. Für jene, deren Stromverbrauch vom ganz normalen Familien- und Berufsleben bestimmt wird, kann es richtig teurer werden. Darum geht das neue Tarifmodell an der Lebensrealität vieler Österreicher vorbei.

Foto: Symbolbild / KI-generiert