Windkraft-Ausbau auf Kosten der Wälder? Grünen-Chefin Gewesner will 100 neue Windräder pro Jahr bauen, bleibt aber jeden Plan dafür schuldig Auch dem Mühlviertel droht die Zerstörung wertvoller Wälder im Namen der „Energie-Unabhängigkeit“…
Durch die anhaltende Energiekrise – verstärkt durch den Krieg im Nahen Osten – gerät der forcierte Ausbau heimischer Energiequellen immer stärker in den politischen Fokus. Grünen-Chefin Leonore Gewessler fordert nun „volle Kraft voraus für die Windkraft“ und übt scharfe Kritik an jenen Bundesländern, die sich dem massiven Ausbau bisher verweigern.
Die Bundesregierung hat mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz bereits reagiert: Wind-, Solar- und Wasserkraft sollen schneller genehmigt werden, den Ländern werden verbindliche Ziele vorgegeben – bei Nichterfüllung drohen Strafen. Für Gewessler reicht das jedoch nicht aus. Die Ziele seien „zu kurz gedacht“, die Verbindlichkeit zwischen Bund und Ländern „zu lasch“. Sie verlangt von ÖVP, SPÖ und NEOS mehr „Mut und Entschlossenheit“ und fordert ein landesweites Ausbauprogramm: jedes Jahr 100 neue Windräder für Österreich, allerdings ohne Plan und genaue Details.
Das alles hätte einen hohen Preis – und der wird vor allem in Oberösterreich sichtbar. Im Mühlviertel, einer der letzten Regionen mit großen zusammenhängenden Waldgebieten, droht eine massive Umweltzerstörung. Aktuellster Aufreger: das umstrittene Mega-Projekt Windpark Sandl: 22 Windkraftanlagen mit einer Höhe von 285 Metern – mehr als doppelt so hoch wie Österreichs höchste Kirche, der Stephansdom in Wien (137 m) – sollen mitten in wertvollen Wäldern errichtet werden. Die Investitionssumme beträgt 250 Millionen Euro, die geplante Inbetriebnahme ist 2029, der Jahresertrag soll über 400 GWh Strom betragen.
„Es gibt keine Unterteilung zwischen ‚guter‘ und ‚schlechter‘ Umweltzerstörung. Windkraftwerke machen gerade im Wald- und Bergland oft mehr kaputt, als sie bringen. Der Zweck darf auch hier niemals die Mittel heiligen, selbst, wenn dieser ein „grünes“ Mascherl hat.“
Joachim Aigner / MFG
Der eigentliche Skandal: Ursprünglich hatte das Land Oberösterreich die wertvolle Naturlandschaft rund um Sandl zur „Windkraft-Ausschlusszone“ erklärt, um eines der letzten intakten Waldgebiete im Mühlviertel zu schützen. Nach massiven Protesten der Windkraft-Lobby, der Grünen und der SPÖ ruderte Landeshauptmann Stelzer jedoch zurück. Via Medien ließ er verkünden, dass diese Ausschlusszonen erst 2026 verbindlich gelten sollen. Alle Projekte, die vorher eingereicht werden, bleiben davon unberührt. Eine typisch österreichische Lösung: Man erklärt erst Schutz, schafft dann aber Schlupflöcher, damit die Bagger doch rollen können.
Kritiker sehen hier nicht nur eine politische Kapitulation, sondern eine bewusste Zerstörung von Lebensraum. Die riesigen Anlagen erfordern Rodungen auf großer Fläche, Zufahrtsstraßen durch den Wald und dauerhafte Eingriffe in ein empfindliches Ökosystem. Vögel, Fledermäuse und andere Waldtiere verlieren ihren Lebensraum, der Waldboden wird durch schwere Baumaschinen verdichtet, und die landschaftliche Integrität des Mühlviertels – einer Region, die bisher weitgehend von industrieller Zersiedelung verschont blieb – wird unwiderruflich zerstört. Windräder mögen auf dem Papier „grün“ sein, doch im Mühlviertel bedeuten sie vor allem eines: Kahlschlag für Betonfundamente und Stahlriesen.Die bittere Realität: Windkraftanlagen sind wichtig und richtig. Schwierig wird’s aber, wenn man damit wichtige Naturgebiete und Waldzonen entwertet oder ganz zerstört werden. Die Wälder rund um Sandl gehören zu den letzten großen zusammenhängenden Waldgebieten im Mühlviertel. Es mag sein, dass fast 300 Meter hohe Windräder aus der Entfernung harmlos und schön in die Natur eingebettet wirken. Steht man aber nahe oder unmittelbar in einem der „Windparks“, bietet sich ein anderes Bild – mit Wald hat das nix mehr zu tun.

Es ist ein bezeichnendes Bild für die heutige Politik, dass der schwarz-blauen Landespolitik der Mut fehlt, zu den beschlossenen Windkraft-Verbotszonen (die weniger als 35 Prozent der Landesfläche ausmachen) zu stehen und diese umzusetzen. Nach dem Raubbau an unserer Natur in den 1970er- und 80er-Jahren, in denen durch den Bau der Donaukraftwerke fast alle wertvollen Auengebiete zerstört wurden und nun mit vielen Millionen wieder renaturiert werden, sollte vor allem der kompromiss- und alternativlose Erhalt unserer Naturlandschaften für nachfolgende Generationen im Zentrum jedes Handelns stehen.
ns selbe Horn stößt als einer der wenigen politische Vertreter Joachim Aigner, der Landespartiobmann von MFG Oberösterreich: „Man zerstört die Natur, um die Natur zu schützen. Finde den Fehler“, so Aigner. „Es gibt keine Unterteilung zwischen ‚guter‘ und ‚schlechter‘ Umweltzerstörung. Windkraftwerke machen gerade im Wald- und Bergland oft mehr kaputt, als sie bringen. Der Zweck darf auch hier niemals die Mittel heiligen, selbst, wenn dieser ein „grünes“ Mascherl hat.“
Titelfoto: IG FLIM


