Am 16. Mai steigt der heurige Eurovision Song Contest (ESC) – diesmal in Wien, weil Österreich im Vorjahr bekanntlich den Sieg davontrug. Auch Linz und Wels interessierten sich für die Ausrichtung, waren aber gegen die Bundeshauptstadt ohne jede Chance. Gut so.
Hinter den Kulissen war es schon lange vor dem Bewerbungsprozess ausgemachte Sache, dass der ESC 2026 in Wien stattfinden wird – Events dieser Art lässt sich die Bundeshauptstadt nicht entgehen. Dort ist trotz Milliardenschulden (der Schuldenstand der Stadt Wien erreicht laut Budgetvoranschlag 2026 den Höchststand von knapp 15 Milliarden Euro) das Geld abgeschafft: Die Gesamtkosten von etwa 36 Millionen Euro (etwa 23 Mio. davon muss Wien direkt übernehmen) fallen da nicht mehr ins Gewicht. Nicht inkludiert sind hier zusätzliche Ausgaben (Investitionen), die – einem alten Taschenspielertrick gleich – einfach auf andere Budgetposten draufgeschlagen werden. Bei 15 Milliarden Miesen spielt sich die zusätzliche Verschuldung Wiens durch diesen Event in irgendeiner hinteren Kommastelle ab.
Im Gegenzug wird natürlich auf die Umwegrentabilität verwiesen, die allerdings mit rein fiktiven zusätzlichen Umsätzen hantiert; vieles davon wäre auch ohne die Regenbogen-Musikparty hereingekommen. Eine Analyse des Instituts für Höhere Studien (IHS) prognostizierte für den letzten Song Contest in Wien (2015) etwa eine Bruttowertschöpfung von 38,1 Millionen Euro. Die insgesamt erzielten Steuern und Abgaben wurden auf 16 Millionen Euro geschätzt. Zudem sollen 562 Vollzeitarbeitsplätze geschaffen worden sein. Für die Wiener Hotellerie schätzte man rund 20.000 zusätzliche Nächtigungen – sollte, könnte, Prognosen, Schätzungen…
Vom Geld abgesehen: Der ESC verkam in den letzten 15 bis 20 Jahren ohnehin zur Farce: Es geht schon lange nicht mehr um das beste Lied. Überspitzt gesagt: Gewinnen tut der schrillste (früher sagte man peinlichste) Kandidat, der entweder homosexuell, geschlechtslos oder trans sein muss; im vorderen Feld platzieren sich meist Länder, die politisch gerade in den Kram passen. Die Ukraine holte in den letzten fünf Jahren etwa jeweils Spitzenplätze – mit Songs, bei denen man unter „normalen“ Umständen das Autoradio ausmacht.
Auf das ehemalige ESC-Liebkind Israel hingegen prügelt man ein (was haben Musiker und Künstler mit Netanjahus Amoklauf zu tun?) und ruft zum Boykott auf. Einerseits hassen gerade die woken Songcontest-Aposteln Länder, Grenzen und Nationalismus, anderseits wird im Saal mit Nationalflaggen sonder Zahl gewachelt und man diskriminiert, ja hasst ganz offen unliebsame Länder – ein Widerspruch, der durch die Regenbogenbrille offensichtlich aus dem sichtbaren Farbenspektrum verschwindet.
Der ESC ist zur politischen Lächerlichkeit verkommen, das „S“ in ESC sollte durch ein „P“ wie Politik ersetzt werden. Unter dem Strich ist es kein Beinbruch, dass dieser Kelch an Linz und Wels vorüberzog.


