„In Österreich passiert im Wesentlichen das Gleiche“ – mit diesem seltsamen Satz vergleicht ein ORF-Beitrag die Flutkatastrophe in China/Tibet mit der Situation in Österreich. Einmal mehr wird mit der Klima-Panik Agitation und Angstmache betrieben, ohne die wirklichen Abläufe darzustellen, es ist das altbekannte Spiel. Solche extreme Naturphänomene und Katastrophen sind gerade im gewaltigen, teils über 8.000 Meter aufragenden Hochgebirge von Tibet ein Stück weit historische Normalität, so brutal das auch klingen mag.

In Tibet und im Himalaya gibt es zahlreiche große Gletscherseen. Manche werden lediglich durch Moränen – also vom Gletscher zusammengeschobenes Lockermaterial – oder durch Eis zurückgehalten. Stürzt eine große Eis- oder Felslawine hinein, kann eine Flutwelle entstehen und eine solche natürliche Barriere versagen. Genau solche Glacial Lake Outburst Floods (GLOFs) stellen im Himalaya eine erhebliche Naturgefahr dar. Die österreichischen Alpen sind wesentlich kleiner und deutlich weniger vergletschert. Es gibt auch nicht die enormen Höhenunterschiede von teils mehreren tausend Metern und die tiefen, seil abfallenden Täler dieses Ausmaßes, durch die Eis- und Geröllmassen eine so große Wucht wie in Tibet gewinnen können.

Ein Gletscher ist grundsätzlich kein statischer Eisblock. Gletschereis fließt aufgrund seines Eigengewichts und der Schwerkraft talwärts. Dabei entstehen Spalten, Eis kann abbrechen, Gletscher können kalben und unter bestimmten Bedingungen können auch große Eisabbrüche auftreten. Solche Prozesse gab es lange vor dem mehr oder weniger menschengemachten Klimawandel.

Die absolute Aussage vieler Medien, „Der Klimawandel hat diese Flut verursacht“ wäre in dieser Absolutheit daher wissenschaftlich zu simpel. Bei der aktuellen Katastrophe ist der unmittelbare Auslöser der Kollaps von Fels- und Gletschermassen, die genaue Ursache dieses konkreten Zusammenbruchs wird aktuell noch untersucht. Eine direkte Zuordnung zum Klimawandel, wie sie derzeit gerade in unseren Medien vorgenommen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt unseriös und nicht zulässig. Schwerkraft + bewegtes Gletschereis + instabiler Fels sind unmittelbare Naturprozesse. Klar ist aber auch: Die Erwärmung kann die Stabilität des Systems verändern und die Wahrscheinlichkeit bestimmter gefährlicher Prozessketten erhöhen.

Ein Hochgebirge ist niemals statisch
Eis- und Felsstürze sind keine Erfindung des Klimawandels. Sie gehören seit jeher zur natürlichen Entwicklung eines Hochgebirges. Die Alpen entstanden durch die Kollision der afrikanischen bzw. adriatischen mit der europäischen Platte. Dabei wurden gewaltige Gesteinspakete zusammengeschoben, übereinandergestapelt, gefaltet und zerbrochen. Bis heute sind die Alpen geologisch keineswegs zur Ruhe gekommen: In Teilen des Gebirges werden weiterhin tektonische Bewegungen gemessen. Gleichzeitig hebt sich der Alpenraum auch infolge von Erosion und der Entlastung nach dem Abschmelzen der gewaltigen Eismassen der letzten Eiszeit.

Gigantische Fels-, Eis- und Gerölllawinen mit anschließenden Sturzfluten sind im Himalaya kein neues Phänomen. Allein in Yigong in Tibet ereigneten sich immer wieder gewaltige Bergstürze, die Flüsse aufstauten und später katastrophale Flutwellen auslösten. Geologische Untersuchungen weisen am selben Ort sogar mindestens acht derartige Großereignisse innerhalb der vergangenen 6.000 Jahre nach. Die aktuelle Katastrophe ist daher auch Teil einer seit Jahrtausenden dokumentierten Naturgefahr dieser extrem jungen, steilen und geologisch aktiven Hochgebirgsregion.

Ein Hochgebirge ist daher kein unveränderliches Monument, sondern eine Landschaft im permanenten Umbau. Steile, von Klüften und Störungen durchzogene Felswände werden durch Schwerkraft, Frost, Wasser, Temperaturwechsel und Erosion laufend beansprucht. Gestein löst sich, Felsen stürzen ab, ganze Felspartien können zusammenbrechen. Solche Ereignisse hat es seit Jahrtausenden gegeben, und es wird sie auch in Zukunft geben.

Nicht jeder Felssturz kann automatisch dem Klimawandel zugeschrieben werden. Was es früher aber nicht gab: Dass jeder – kleine oder große – Felssturz in den Alpen dank Handy-Video den Weg in die sozialen Medien findet, oft mit Unterschriften wie „das gab es noch nie“ versehen.

Dasselbe gilt für Gletscher. Auch ein Gletscher ist kein starrer Eisblock, sondern eine ständig fließende Eismasse. Unter seinem eigenen Gewicht und durch die Schwerkraft bewegt sich das Eis talwärts, wird verformt, bildet Spalten und kann an steilen Geländestufen abbrechen. Eisabbrüche und Eislawinen sind und bleiben grundsätzlich natürliche Bestandteile der Gletscherdynamik. Auch die steilen, felsdurchzogenen Täler in Tibet sind durch solche Murenabgänge, Fels, Eis und Geröllmassen entstanden.

Felsstürze, Gletscherbewegungen und Eisabbrüche sind natürliche Vorgänge eines Hochgebirges. Der Klimawandel hat sie nicht erfunden – ein Einfluss wird aber diskutiert und spielt wohl auch eine Rolle – nicht mehr, aber auch nicht weniger.