Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) kommt nicht zur Ruhe. Während Versicherte seit Jahren über lange Wartezeiten, fehlende Kassenärzte und immer schwierigere Terminvergaben klagen, droht laut Meidenberichten nun die nächste Verschlechterung: Laut einem ÖGK-internen „Standortkonzept“ sollen die bundesweit 138 Kundenservicestellen auf nur noch 77 reduziert werden. Besonders hart träfe dieser Kahlschlag Oberösterreich – jenes Bundesland, das mit derzeit 40 Kundenservicestellen, davon 23 dauerhaft besetzt, über das dichteste Servicenetz verfügt.

Für tausende Versicherte sind diese Standorte die erste Anlaufstelle. Hier werden Anträge entgegengenommen, Versicherungsfragen geklärt oder Leistungen beantragt. Gerade ältere Menschen oder Personen ohne umfassende digitale Kenntnisse sind auf diese persönliche Betreuung angewiesen. Fällt sie weg, bleiben längere Wege, mehr Bürokratie und noch mehr Frust.

Oberösterreich besonders betroffen
Ausgerechnet Oberösterreich soll einen besonders hohen Preis bezahlen. Ob und welche Standorte geschlossen werden, ist offiziell zwar noch offen, intern ist jedoch längst von einer massiven Reduktion die Rede. Entsprechend groß ist die Sorge unter den Beschäftigten. Der Betriebsrat spricht von erheblicher Verunsicherung und befürchtet nicht nur einen massiven Qualitätsverlust für die Versicherten, sondern auch den Abbau zahlreicher Arbeitsplätze.

Dabei reiht sich das Vorhaben in eine lange Liste von Problemen ein, die seit der Zusammenlegung der Gebietskrankenkassen zur Österreichischen Gesundheitskasse im Jahr 2020 nicht kleiner geworden sind. Versprochen wurden damals weniger Verwaltung, mehr Effizienz und Einsparungen in Milliardenhöhe. Viele dieser Erwartungen haben sich bis heute nicht erfüllt. Stattdessen häufen sich Berichte über steigende Defizite, Personalengpässe und verschlechterte Leistungen.

Die Politik schaut zu
Besonders pikant: Verantwortlich für die Struktur der ÖGK ist letztlich die Bundespolitik. Die Kassenzusammenlegung wurde einst als große Reform verkauft. Heute müssen ausgerechnet die Versicherten erleben, wie immer mehr Leistungen eingeschränkt und Serviceangebote zurückgefahren werden. Während Millionen in Verwaltungsreformen und neue Strukturen flossen, kämpfen Patienten mit monatelangen Wartezeiten auf Facharzttermine, Ärztemangel in den Regionen und nun möglicherweise auch noch mit dem Verlust wohnortnaher Servicestellen. Das Vertrauen in das öffentliche Gesundheitssystem leidet zunehmend.

MFG warnt seit Jahren
Zu den schärfsten Kritikern dieser Entwicklung zählt seit Jahren MFG. Die Oppositionspartei rund um OÖ Landesparteiobmann Joachim Aigner spricht von einem Gesundheitssystem, das sich immer weiter von den Bedürfnissen der Patienten entferne. So forderte die MFG unter anderem:

  • mehr regionale Entscheidungsfreiheit statt zentralistischer Strukturen,
  • den Erhalt wohnortnaher Serviceeinrichtungen,
  • mehr Transparenz über die finanzielle Entwicklung der ÖGK,
  • den Ausbau der medizinischen Versorgung statt weiterer Verwaltungsreformen sowie
  • eine stärkere Orientierung an den Interessen der Beitragszahler anstelle parteipolitischer Einflussnahme.

Auch bei Themen wie langen Wartezeiten, der Schließung von Kassenstellen oder der zunehmenden Zentralisierung übte MFG in den vergangenen Jahren wiederholt deutliche Kritik.

Ein fatales Signal der Bundes-, aber auch der schweigenden Landesregierung
Gerade in Zeiten einer alternden Bevölkerung wäre eigentlich das Gegenteil notwendig: mehr persönliche Beratung, mehr Bürgernähe und ein leichterer Zugang zum Gesundheitssystem. Stattdessen droht nun ausgerechnet bei jenem Angebot der Rotstift, mit dem die meisten Versicherten direkt in Kontakt kommen.