Bis zu 500 Megawatt Anschlussleistung, ein theoretischer Strombedarf von bis zu 4,4 Terawattstunden jährlich, Milliarden Liter Kühlwasser und 50 Hektar Fläche: Das geplante Google-Rechenzentrum in Kronstorf sorgt weiter für Diskussionen. MFG-Landesparteiobmann Joachim Aigner nimmt das Milliardenprojekt nun in einem ausführlichen Blogbeitrag auf seiner Homepage ins Visier. Sein Hauptvorwurf: Bei einem Projekt dieser Dimension gibt es nach wie vor zu wenig Transparenz und Bürgerinformation.
Seit Ende April wird in Kronstorf am ersten österreichischen Rechenzentrum von Google gebaut. Ursprünglich stand vor allem die erste Ausbaustufe mit einer Anschlussleistung von bis zu 150 Megawatt im Mittelpunkt. Mittlerweile wurde jedoch auch die Erweiterung des gesamten rund 50 Hektar großen Campus zur Genehmigung eingereicht. Im möglichen Vollausbau könnte die Anschlussleistung auf bis zu 500 Megawatt steigen.
Google selbst spricht von einer Milliardeninvestition, 100 direkten Arbeitsplätzen am Standort und erheblichen zusätzlichen wirtschaftlichen Effekten für die Region. Für MFG-Landesparteiobmann Joachim Aigner ist dennoch vieles ungeklärt, weil schöne Worte auch leere Versprechungen sein können.
„Eine Genehmigung ersetzt keine politische Verantwortung“
Besonders kritisch sieht Aigner, dass für das Gesamtprojekt keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig ist. Das entsprechende UVP-Feststellungsverfahren stammt aus dem Jahr 2020. Seither hätten sich nicht nur die Dimensionen des Projekts konkretisiert, sondern durch den weltweiten KI-Boom auch die Rahmenbedingungen für Rechenzentren grundlegend verändert.
Aigner nimmt dabei Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) in die Pflicht: „Politik besteht nicht darin, sich hinter einem Aktendeckel zu verstecken.“ Ein rechtskräftiger Bescheid sei zwar eine rechtliche Tatsache, entbinde die Politik aber nicht davon, neue Entwicklungen auch neu zu bewerten.
Bis zu 4,4 Terawattstunden Strom
Besonders gewaltig sind die Dimensionen beim möglichen Strombedarf. Laut Netz Oberösterreich könnte die erste Ausbaustufe bei maximaler Nutzung bis zu 1,31 Terawattstunden Strom pro Jahr benötigen. Bei einem Vollausbau auf 500 Megawatt wären rechnerisch bis zu 4,4 Terawattstunden möglich. Zum Vergleich: Ganz Oberösterreich verbrauchte 2024 rund 14 Terawattstunden. Ein voll ausgebauter Google-Campus könnte damit rechnerisch auf eine Größenordnung von fast einem Drittel des heutigen gesamten oberösterreichischen Stromverbrauchs kommen.
Aigner fordert konkrete Antworten: Woher kommt der zusätzliche Strom? Welche Netzausbauten werden dadurch notwendig? Und vor allem: Wer bezahlt dafür? „Die Infrastrukturkosten eines internationalen Milliardenkonzerns dürfen nicht auf die Stromrechnung der oberösterreichischen Bürger und Unternehmen ausgelagert werden.“
Google hält dem entgegen, sämtliche Kosten, die den Netzbetreibern durch den eigenen Netzanschluss entstehen, selbst zu übernehmen. Laut E-Control seien außerdem auch die Netzanschlussmöglichkeiten für einen Vollausbau auf 500 Megawatt vorhanden.
Milliarden Liter Wasser als nächste Streitfrage
Auch der Wasserbedarf beschäftigt Aigner.
Laut wasserrechtlicher Genehmigung dürfen für den Vollausbau maximal 15.200 Kubikmeter Wasser täglich beziehungsweise 5,55 Millionen Kubikmeter pro Jahr entnommen werden. Das entspricht theoretisch bis zu 5,55 Milliarden Litern jährlich.
Ein Teil davon wird für die Kühlung verdunstet, ein Teil wieder in die Enns zurückgeführt.
Aigner fordert deshalb laufend öffentlich zugängliche Daten zu Wasserentnahme, Grundwasserständen, Rückleitung, Temperatur und Wasserqualität. Auch mögliche Auswirkungen der Verdunstung auf das lokale Mikroklima müssten nachvollziehbar untersucht werden.
Google verweist dagegen darauf, dass die tatsächlich erwarteten Mengen im Regelbetrieb unter den genehmigten Maximalwerten liegen sollen. Gutachten aus dem Genehmigungsverfahren würden zudem zeigen, dass die Auswirkungen auf die Temperatur der Enns vernachlässigbar seien.
„Eine Milliardeninvestition ist kein Argument gegen Kontrolle. Sie ist ein Argument für noch mehr Kontrolle.“
50 Hektar für 100 direkte Arbeitsplätze
Kritisch hinterfragt Aigner auch das Verhältnis zwischen Flächenverbrauch und direkten Arbeitsplätzen. Google verfügt in Kronstorf über rund 50 Hektar Betriebsbaugebiet. Nach Inbetriebnahme sollen rund 100 Menschen direkt im Rechenzentrum beschäftigt sein. Für Aigner ist das angesichts der Größe des Areals eine überschaubare Arbeitsplatzdichte. Aigner fordert daher eine transparente Gesamtrechnung: Wie viel Wertschöpfung bleibt tatsächlich in Oberösterreich? Wie hoch sind Steuer- und Abgabeneinnahmen? Und welche öffentlichen Infrastrukturkosten stehen diesen Einnahmen gegenüber?
„Technologie ja – Blankoscheck nein“
Grundsätzlich stellt sich Aigner weder gegen Digitalisierung noch gegen KI oder Rechenzentren. Er fordert jedoch eine aktuelle Neubewertung des gesamten Projekts, die auch den möglichen Vollausbau und die inzwischen stark gestiegene Bedeutung energieintensiver KI-Infrastruktur berücksichtigt. Dazu verlangt der MFG-Landeschef unter anderem eine vollständige Energiebilanz, Transparenz über notwendige Netzausbauten und deren Finanzierung, klare Notfall- und Lastabwurfregelungen, öffentlich zugängliche Wasser- und Grundwasserdaten sowie eine nachvollziehbare Darstellung von Wertschöpfung, Steuerleistung und Haftungsfragen. Aigners Botschaft an die Landespolitik ist deutlich: „Eine Milliardeninvestition ist kein Argument gegen Kontrolle. Sie ist ein Argument für noch mehr Kontrolle.“



