Lustiger wird’s heute nicht mehr: Die Bundesregierung verlängert ihre „Spritpreisbremse“ bis Ende September. Was angesichts weiterhin hoher Preise an den Tankstellen zunächst nach einer guten Nachricht klingt, entpuppt sich beim Blick auf die tatsächliche Entlastung allerdings als ziemlich homöopathische Dosis: Ganze 1,9 Cent pro Liter beträgt die Senkung der Mineralölsteuer. Bei einer kompletten 50-Liter-Tankfüllung bleiben damit gerade einmal 95 Cent mehr im Geldbörsel.

Die Bundesregierung hat am gestrigen Montag die Verlängerung der sogenannten Spritpreisbremse um einen weiteren Monat bekannt gegeben. Die Mineralölsteuer bleibt auch im September um mickrige 1,9 Cent pro Liter Benzin und Diesel reduziert.

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) spricht von einer „gezielten, befristeten und verantwortungsvollen Maßnahme“. SPÖ-Staatssekretärin Michaela Schmidt bezeichnet die Spritpreisbremse sogar als „wichtiges Instrument in der Bekämpfung der Inflation“. Angesichts von 1,9 Cent stellt sich allerdings die Frage, wie viel „Bremse“ tatsächlich noch in der Spritpreisbremse steckt.

95 Cent Ersparnis für eine Tankfüllung
Die Rechnung ist einigermaßen ernüchternd:

  • Wer 40 Liter tankt, erspart sich 76 Cent.
  • Bei 50 Litern sind es 95 Cent.
  • Bei zwei 50-Liter-Tankfüllungen pro Monat bleiben einem Autofahrer damit 1,90 Euro monatlich zusätzlich.

Das ist zwar besser als nichts. Als ernsthafte Entlastungsmaßnahme für Pendler, die auf ihr Auto angewiesen sind, darf man die Dimension allerdings als realtiv überschaubar bezeichnen. Man darf sich getrost gefrotzelt fühlen.

Aus (mageren) 5 Cent wurden 1,9 Cent
Bemerkenswert ist auch die Entwicklung der Maßnahme. Als die Spritpreisbremse im Frühjahr als Reaktion auf die massiven Preissteigerungen eingeführt wurde, war ursprünglich eine Senkung der Mineralölsteuer um fünf Cent pro Liter vorgesehen.
Die gesetzliche Konstruktion sieht dabei vor, zusätzliche Umsatzsteuereinnahmen des Staates infolge gestiegener Treibstoffpreise über eine niedrigere Mineralölsteuer wieder zurückzugeben. Inzwischen sind von den fünf Cent noch homöopathische 1,9 Cent übrig.

„Eine Spritpreisbremse, die nicht einmal einen Euro pro 50-Liter-Tankfüllung bringt, verdient ihren Namen nicht. Die Menschen brauchen eine echte Entlastung und keine homöopathische Steuersenkung.“

Auch ein zweiter Teil der ursprünglichen Spritpreisbremse ist mittlerweile weggefallen: Die zeitweise geltende Begrenzung der Margen wurde bereits mit Ende Mai ausgesetzt und kommt auch im September nicht zurück. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer argumentierte die überschaubare Preissenkung damit, dass die österreichischen Spritpreise derzeit unter dem EU-Durchschnitt liegen.

Selbst der ARBÖ spricht von einer „Alibi-Maßnahme“
Kritik kommt auch vom Autofahrerklub ARBÖ. Präsident Peter Rezar spricht angesichts der 1,9 Cent von einer „Alibi-Maßnahme“, die Autofahrer in ihrer Geldbörse kaum spüren würden. Der ARBÖ verweist darauf, dass Diesel laut Energiepreisindex im Vergleich zu Juli 2025 um 19,3 Prozent, Eurosuper um 15,1 Prozent teurer geworden sei.

Gefordert wird daher eine deutlich stärkere Spritpreisbremse aus Mineralölsteuersenkung, Margenbegrenzung und verpflichtender Weitergabe sinkender Großhandelspreise. Rund zehn Cent pro Liter wären laut ARBÖ eine tatsächlich spürbare Entlastung. Der Unterschied wäre beträchtlich: Bei einer 50-Liter-Tankfüllung bedeuten 1,9 Cent derzeit 95 Cent Ersparnis. Bei zehn Cent wären es immerhin fünf Euro.

MFG: „1,9 Cent sind keine Spritpreisbremse“
Kritik kommt auch aus dem oö. Landtag – von MFG: Kritisiert wird die Verlängerung als Symbolpolitik. Eine Steuersenkung von 1,9 Cent sei „nicht mal ein schlechter Witz“. Gerade Pendler und Menschen im ländlichen Raum bräuchten eine spürbare Entlastung. Besonders kritisch sieht man, dass der Staat über Mineralölsteuer, CO₂-Bepreisung und Umsatzsteuer weiterhin kräftig an jeder Tankfüllung mitverdient. „Eine Spritpreisbremse, die nicht einmal einen Euro pro 50-Liter-Tankfüllung bringt, verdient ihren Namen nicht. Die Menschen brauchen eine echte Entlastung und keine homöopathische Steuersenkung.“