Das ehemalige Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau ist kaum wiederzuerkennen. Nach einem rund 20 Millionen Euro teuren Umbau beherbergt das Gebäude heute eine Polizeiinspektion und das Bezirkspolizeikommando. Die Fassade wurde grundlegend verändert, das Haus soll bewusst seinen Wiedererkennungswert verlieren und keine Pilgerstätte für Neonazis mehr sein.

Dieses Ziel ist nachvollziehbar. Niemand will, dass Braunau zu einem Wallfahrtsort für Rechtsextreme wird. Doch der Umbau wirft eine grundsätzliche Frage auf: Kann man Geschichte bewältigen, indem man ihre sichtbaren Spuren möglichst verschwinden lässt?

Geschichte – so abscheulich und menschenverachtend sie auch sein mag – lässt sich nicht wegsanieren, überstreichen oder hinter einer neuen Fassade verstecken. Sie bleibt Teil unserer Vergangenheit. Gerade deshalb sollte man sich ihr offen stellen, anstatt sie möglichst unsichtbar zu machen – so weh das auch tut. Nun würde das Haus „ein Ort der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit, der Freiheit und Menschenwürde“ sein, sagt Innenminister Gerhard Karner zur Eröffnung als Polizeistation.

Österreich tut sich mit dieser Auseinandersetzung seit Jahrzehnten schwer. Statt einen Ort zu schaffen, an dem die Entstehung des Nationalsozialismus, seine Verbrechen und die Verantwortung Österreichs kritisch aufgearbeitet werden, wurde ein Gebäude geschaffen, das seine Geschichte äußerlich kaum mehr erkennen lässt. Damit droht Erinnerung nicht vertieft, sondern verdrängt zu werden.

Erinnerungskultur darf nicht bedeuten, Geschichte aus dem Stadtbild zu entfernen. Sie muss bedeuten, sie verständlich zu machen – gerade für kommende Generationen. Denn wer glaubt, man könne Geschichte verstecken, läuft Gefahr, dass auch das historische Bewusstsein verblasst.

Das Hitlerhaus wird immer das Hitlerhaus bleiben. Die Frage ist nicht, ob man diese Vergangenheit auslöschen kann – denn das kann man nicht. Die entscheidende Frage ist, ob Österreich den Mut hat, sich dieser Vergangenheit sichtbar und selbstkritisch zu stellen. Genau daran bestehen nach diesem Umbau weiterhin Zweifel. Ein Ort des Mahnens, des Erinnerns an die Gräuel und des Wachrüttelns wäre zielführender gewesen.