Wenn heute über den Ausbau der Windkraft diskutiert wird, entsteht oft der Eindruck, als müsste jedes Bundesland gleichermaßen neue Windparks errichten. Für Oberösterreich greift diese Sichtweise jedoch zu kurz. Unser Bundesland hat bereits vor Jahrzehnten einen wesentlichen Beitrag zur erneuerbaren Energieversorgung Österreichs geleistet.

In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde die Wasserkraft massiv ausgebaut. Stauseen, Kraftwerksanlagen und die Regulierung von Flüssen haben die Stromversorgung gesichert und Österreich unabhängiger von fossilen Energieträgern gemacht. Gleichzeitig wurden dafür aber auch erhebliche Eingriffe in die Natur in Kauf genommen. Wertvolle Flusslandschaften verschwanden, natürliche Lebensräume wurden verändert oder gingen ganz verloren, und viele Regionen tragen die Folgen dieser Eingriffe bis heute.

Es ist daher nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet Oberösterreich nun eine besondere Verpflichtung haben sollte, zusätzlich große Teile seiner verbliebenen Naturlandschaften für den Ausbau der Windkraft zur Verfügung zu stellen. Wer heute den Schutz von Landschaft, Artenvielfalt und Erholungsräumen ernst nimmt, muss auch anerkennen, dass Oberösterreich bereits einen überdurchschnittlichen Beitrag zur Energiewende geleistet hat.

Die Energiewende ist eine gemeinsame nationale Aufgabe. Es kann nicht sein, dass einige Bundesländer jahrzehntelang von den Vorteilen der Wasserkraft profitieren, während die damit verbundenen Landschaftseingriffe vor allem anderswo stattgefunden haben, und nun dieselben Regionen erneut die Hauptlast weiterer Energieinfrastruktur tragen sollen.

Natürlich braucht Österreich mehr erneuerbare Energie. Aber die Verantwortung dafür muss fair verteilt werden. Bundesländer, die bislang vergleichsweise wenig zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen beigetragen haben und über geeignete Standorte verfügen, sollten nun verstärkt ihren Beitrag leisten. Oberösterreich hingegen hat seine Hausaufgaben bereits vor Jahrzehnten gemacht – oft auf Kosten einzigartiger Naturräume.

Deshalb hat Oberösterreich beim Windkraftausbau keine Bringschuld. Im Gegenteil: Wer eine gerechte Energiepolitik will, muss anerkennen, dass unser Bundesland seinen Anteil bereits geleistet hat. Jetzt sind andere Bundesländer am Zug.