Die bevorstehende Wahl des neuen ORF-Generaldirektors wirft einmal mehr die Frage auf, wie unabhängig Österreichs öffentlich-rechtlicher Rundfunk tatsächlich ist. Offiziell entscheidet der ORF-Stiftungsrat über die künftige Führung des Medienhauses. Hinter den Kulissen verdichten sich jedoch seit Wochen die Hinweise, dass die eigentliche Entscheidung längst in den Parteizentralen getroffen worden sein könnte. Medienberichte sprechen davon, dass sich SPÖ, ÖVP und NEOS bereits auf einen gemeinsamen Favoriten verständigt haben dürften.

Genau dieser Eindruck beschädigt das Vertrauen vieler Bürger in den ORF. Statt eines transparenten Auswahlverfahrens entsteht erneut das Bild eines parteipolitisch durchsetzten Systems, in dem Postenbesetzungen nicht primär nach Qualifikation, sondern nach politischen Machtverhältnissen erfolgen. Der ORF-Stiftungsrat gilt seit Jahren als Symbol für den Einfluss der Parteien auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Die aktuelle Generaldirektorenwahl liefert damit ein weiteres Beispiel für die jahrzehntelang gewachsene Verflechtung von Politik und ORF. Während die Verantwortlichen stets die Unabhängigkeit des Senders betonen, entsteht einmal mehr der Eindruck, dass parteipolitische Absprachen weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Wenn die Wahl des wichtigsten Medienmanagers des Landes bereits vor der offiziellen Abstimmung als entschieden gilt, stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Glaubwürdigkeit des gesamten Verfahrens.

Die Liste der Bewerber wäre durchaus schillernd. Als prominente Kandidaten für die ORF-Generaldirektion gelten neben APA-Chef Clemens Pig (auf den sich ÖVP und SPÖ unter der Tuchent bereits geeinigt haben sollen), ORF-Managerin Lisa Totzauer, Medienmanager Markus Breitenecker sowie Medienunternehmerin Eva Schütz. 

Besonders scharf kritisiert wird diese Entwicklung seit Jahren von der Partei MFG Oberösterreich. Landesparteiobmann Joachim Aigner zählt zu den konsequentesten Kritikern des ORF-Systems und der verpflichtenden Haushaltsabgabe. MFG spricht dabei regelmäßig von einer „Zwangsabgabe“ und wirft dem ORF politische Einseitigkeit sowie mangelnde Unabhängigkeit vor. Zudem fordert die Partei seit Jahren die Abschaffung des aktuellen Finanzierungsmodells und eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Aigner sieht sich durch die aktuellen Entwicklungen bestätigt: „Aus unserer Sicht zeigt die bevorstehende Generaldirektorenwahl erneut, wie stark parteipolitische Netzwerke den ORF prägen. Es ist zum Kotzen“, so Aigner.