81 Prozent für Windkraft, 78 Prozent für einen schnelleren Ausbau – und daraus werden plötzlich 200 neue Windräder und das Aus für Ausschlusszonen: Die Grünen sehen sich durch eine von ihnen beauftragte Spectra-Umfrage in ihrer Windkraft-Offensive bestätigt. MFG widerspricht vehement: Genau jene Maßnahmen, die nun mit den Umfragewerten begründet werden, wurden in den veröffentlichten Kernfragen gar nicht abgefragt.
Auf den ersten Blick liefern die Zahlen kräftigen Rückenwind für die Grünen: Laut einer von ihnen beauftragten Spectra-Umfrage sehen 81 Prozent der Befragten Windkraft als wichtigen Bestandteil des Energiemixes. 78 Prozent sprechen sich dafür aus, den Ausbau der Windenergie in Oberösterreich deutlich zu beschleunigen.
Für die Grünen ist das ein Auftrag zum Handeln. Bis 2035 sollen 200 neue Windräder in Oberösterreich entstehen. Gleichzeitig sollen die geplanten Windkraft-Ausschlusszonen fallen. Der Denkfehler: Zwischen den tatsächlich gestellten Fragen und den daraus abgeleiteten politischen Forderungen besteht aber ein wesentlicher Unterschied.
MFG: Kein Freibrief für 200 Windräder
„Unsere Position ist eindeutig: MFG lehnt einen weiteren Ausbau der Windkraft in Oberösterreich ab. Eine allgemeine Zustimmung zur Windkraft ist kein Freibrief für 200 zusätzliche Großanlagen und schon gar nicht für die Abschaffung von Ausschlusszonen“, sagt MFG-OÖ-Klubobmann Manuel Krautgartner. Tatsächlich wurde in den von den Grünen veröffentlichten beiden Kernfragen weder nach 200 neuen Windrädern noch nach einer Abschaffung der Ausschlusszonen gefragt.
Abgefragt wurde lediglich grundsätzlich, ob Windkraft einen wichtigen Bestandteil des Energiemixes darstellt und ob ihr Ausbau deutlich beschleunigt werden sollte. Aus MFG-Sicht lässt sich daraus keine Zustimmung zu einem konkreten Ausbauprogramm in dieser Größenordnung ableiten. Wer grundsätzlich einen schnelleren Windkraftausbau befürwortet, hat damit schließlich noch keine Aussage darüber getroffen, wie viele Anlagen gebaut werden sollen und wo diese stehen dürfen.
Wie „riesig“ ist das Potenzial wirklich?
Auch der Darstellung der Grünen, Oberösterreich verfüge über ein „riesiges“ Windkraftpotenzial, hält die MFG eine deutlich zurückhaltendere fachliche Einschätzung entgegen. Die Oö. Umweltanwaltschaft bezeichnet Oberösterreich als „kein ausgeprägtes Windland“ und stuft das Potenzial für Windenergienutzung im österreichweiten Vergleich als „gering bis äußerst mäßig“ ein.
Neben den Windverhältnissen spielen dabei weitere Faktoren eine Rolle: Oberösterreichs ausgeprägte Streusiedlung, Abstände zu bewohntem Gebiet sowie Natur- und Landschaftsschutz reduzieren die Zahl möglicher Standorte. Höheres Windpotenzial findet sich insbesondere in exponierten Berg- und Kuppenlagen – also vielfach gerade dort, wo Eingriffe in Natur und Landschaft besonders sensibel sind.
Für Krautgartner ist deshalb insbesondere die Forderung nach einer Streichung der Ausschlusszonen problematisch: „Oberösterreich ist kein ausgeprägtes Windland. Natur und Landschaft dürfen nicht für ein politisch festgelegtes Ausbauziel von 200 Windrädern zur Verfügungsmasse werden.“
215 Tage Eingriffe ins Stromnetz
MFG verweist zudem auf einen weiteren Aspekt: Netze und Speicher müssen mit dem Ausbau der Stromproduktion Schritt halten. 2025 waren laut Austrian Power Grid an 215 Tagen Redispatch-Maßnahmen notwendig. Dabei wird in die Stromproduktion eingegriffen, um Netzengpässe zu vermeiden. Die Kosten dafür beliefen sich auf 87,2 Millionen Euro.
Auch die APG betont, dass erneuerbare Stromerzeugung, Netzausbau, Speicher und weitere Systemkomponenten gemeinsam entwickelt werden müssen. Zusätzliche Erzeugungskapazitäten allein lösen daher die Herausforderungen des Stromsystems nicht.
Gerade bei stark schwankenden Energiequellen wie Wind und Sonne stellt sich damit nicht nur die Frage, wie viel zusätzliche Leistung installiert wird, sondern auch, wie diese Energie ins Netz integriert, transportiert und bei Bedarf gespeichert werden kann.
Von 31 auf mehr als 200 Windräder?
Derzeit stehen laut Angaben der Grünen lediglich 31 der österreichweit 1.447 Windkraftanlagen in Oberösterreich. Mit ihrem Ausbauziel würde sich diese Zahl innerhalb weniger Jahre vervielfachen.
Ob die Oberösterreicher einen derart massiven Ausbau tatsächlich unterstützen würden, beantwortet die präsentierte Spectra-Umfrage allerdings nicht. Eine konkrete Frage nach 200 neuen Windrädern bis 2035 wäre ebenso möglich gewesen wie eine Frage danach, ob dafür bestehende beziehungsweise geplante Ausschlusszonen aufgehoben werden sollen.
Damit zeigt die Umfrage zwar eine hohe grundsätzliche Zustimmung zur Windenergie und auch den Wunsch nach einem schnelleren Ausbau. Sie liefert aber keinen direkten Beleg dafür, dass 78 oder 81 Prozent der Bevölkerung auch hinter dem konkreten 200-Windräder-Plan der Grünen oder der Abschaffung von Ausschlusszonen stehen.
MFG will an Ausschlusszonen festhalten
Für MFG ist klar, dass aus allgemeinen Zustimmungswerten kein konkreter Auftrag für eine Windkraft-Offensive dieser Größenordnung abgeleitet werden könne. Die Partei lehnt einen weiteren Ausbau der Windkraft in Oberösterreich grundsätzlich ab und fordert, fachlich begründete Ausschlusszonen beizubehalten. „Fachlich begründete Ausschlusszonen dürfen nicht beiseitegeschoben werden, nur weil sie den Ausbauplänen der Grünen im Weg stehen“, so Krautgartner.



