Bis zu 17 Millionen Euro öffentliches Geld für die Zukunft eines Skigebiets, dessen Talort Grünau gerade einmal auf 527 Meter Seehöhe liegt – und damit sogar zwölf Meter niedriger als der 539 Meter hohe Linzer Pöstlingberg. Trotzdem soll nicht nur der laufende Betrieb abgesichert werden, auch eine neue Beschneiung wird geplant. Angesichts milderer Winter und der niedrigen Tallage stellt sich damit die Frage, wie viel Geld das Land langfristig noch in den Kasberg stecken will – oder ob ein anderes Konzept – Stichwort sanfter Tourismus ohne sterbendem Skibetrieb – nicht sinnvoller ist.

Der oberösterreichische Landtag hat am Donnerstag die finanzielle Grundlage für die Übernahme und Weiterführung des Skigebiets Kasberg beschlossen. Insgesamt können bis zu 17 Millionen Euro bereitgestellt werden. Bis zu zehn Millionen Euro sind für Übernahme, laufenden Betrieb und notwendige Ersatzinvestitionen vorgesehen, weitere bis zu sieben Millionen Euro für Personal-, Rückbau- und Rekultivierungsverpflichtungen. Die Mittel sollen laut Land nur nach tatsächlichem und nachgewiesenem Bedarf fließen.

17 Millionen – und damit ist noch längst nicht alles erledigt
Bemerkenswert ist vor allem, wofür das Land nun Geld bereitstellt. Denn mit der Übernahme sind die langfristigen Probleme des Kasbergs keineswegs gelöst. Eine moderne Beschneiung muss erst geplant werden, auch für die Gruppenumlaufbahn fehlt weiterhin eine dauerhafte Lösung.

Tourismuslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) spricht von einer „zukunftsfähigen Beschneiung“, die nun ausgearbeitet werden soll. Erst danach sollen weitere Investitionsentscheidungen fallen. Bis dahin übernimmt das Land innerhalb des beschlossenen Finanzrahmens auch die laufenden Betriebsabgänge. Damit könnte der aktuelle Millionenbeschluss vor allem eines sein: die finanzielle Eintrittskarte in eine wesentlich längere Debatte darüber, was der Kasberg in den kommenden Jahren noch kosten darf.

Grünau liegt niedriger als der Pöstlingberg
Besonders deutlich wird die Problematik beim Blick auf die Höhenlage. Das Ortszentrum von Grünau liegt laut Gemeinde auf 527 Metern Seehöhe. Zum Vergleich: Der Linzer Pöstlingberg bringt es auf 539 Meter. Grünau liegt damit sogar zwölf Meter tiefer.

Natürlich reicht das eigentliche Skigebiet deutlich weiter hinauf und die Seehöhe des Ortszentrums allein entscheidet nicht über die Schneesicherheit eines gesamten Skigebiets. Der Vergleich zeigt aber, in welcher Höhenlage der Talbereich liegt.

Mit immer mehr Technik den Winter absichern
Das Grundproblem lässt sich damit nicht wegdiskutieren: Je weniger auf natürlichen Schnee Verlass ist, desto wichtiger werden leistungsfähige Beschneiungsanlagen. Diese benötigen wiederum Investitionen, Energie, Wasser und entsprechende Temperaturen, in denen überhaupt effizient Schnee produziert werden kann. Die politische Entscheidung lautet daher nicht bloß, ob der Kasberg jetzt weiterbetrieben wird. Langfristig geht es darum, wie viel zusätzliche technische Infrastruktur notwendig sein wird, um den Wintersportbetrieb aufrechtzuerhalten – und wer diese Investitionen bezahlt. UND: Macht dieser immer größere Aufwand für ein paar Wochen Skifahren überhaupt Sinn?

Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) argumentiert mit der regionalen Bedeutung des Kasbergs. Das Skigebiet sei insbesondere für Familien, Schulen und Vereine wichtig. Das Land sichere deshalb zunächst den Betrieb und arbeite parallel an einer langfristigen Lösung.

Touristische Bedeutung gegen finanzielles Risiko
Für das Almtal ist der Kasberg zweifellos ein wichtiger touristischer Faktor. Ein Ende des Skibetriebs hätte Auswirkungen auf Beherbergungsbetriebe, Gastronomie und andere touristische Anbieter. Auf der anderen Seite steht nun ein erhebliches finanzielles Engagement des Landes, obwohl wesentliche Fragen zur langfristigen Zukunft weiterhin unbeantwortet sind. Wie umfangreich muss eine neue Beschneiungsanlage werden? Was kostet sie tatsächlich? Welche weiteren Liftinvestitionen werden notwendig? Und wie hoch werden die jährlichen Betriebsabgänge künftig ausfallen?

Die beschlossenen 17 Millionen Euro sind jedenfalls keine Garantie dafür, dass damit sämtliche künftigen Investitionen erledigt sind. Der Landtagsbeschluss schafft zunächst den finanziellen Rahmen für Übernahme, Betrieb und definierte Verpflichtungen.

Die entscheidende Rechnung kommt erst
Genau deshalb wird die Debatte mit dem jetzigen Beschluss nicht beendet sein. Die Übernahme kann das unmittelbare Überleben des Kasbergs sichern. Ob daraus auch ein langfristig tragfähiges Skigebiet wird, hängt von weiteren Investitionen, den Betriebskosten, der Entwicklung der Winter und letztlich von den Besucherzahlen ab.

Der erwähnte Höhenvergleich lässt grundsätzliche Fragen offen: Grünau liegt mit 527 Metern sogar niedriger als der Linzer Pöstlingberg mit 539 Metern. Während dort niemand ernsthaft über ein Skigebiet nachdenkt, sollen im Almtal Millionen investiert werden, um den Wintersportbetrieb vom Tal bis hinauf auf den Kasberg langfristig zu sichern. Ob diese Rechnung aufgeht, wird wohl erst bei der übernächsten Wahl 2033 zum Thema werden….