Ein Rückzug über mehrere Monate, eine Parteiführung auf Zwischenstation und ein Finanzminister in Krebsbehandlung, der zusätzlich Vizekanzler werden soll: Was die SPÖ als geordneten Übergang präsentiert, wirkt wie ein zusammengezimmertes Postenspiel. Babler soll seine Führungsämter abgeben, aber als Minister am Regierungstisch bleiben. Ein Neustart mit dem bisherigen Hauptverantwortlichen an Bord: Was soll das, SPÖ?

Zunächst bleibt Babler Parteichef und Vizekanzler. Eva-Maria Holzleitner und Philip Kucher werden ihm zur Seite gestellt und sollen später vorübergehend die Partei führen. Erst ein Parteitag im Frühjahr 2027 soll die endgültige Nachfolge klären. Die SPÖ verlängert damit jene Ungewissheit, die sie angeblich beenden will. Unter dem Strich ein typisch österreichisches Wischiwaschi: Rückzug mit Hintertür und reserviertem Sitzplatz.

Auch Marterbauers politische Bilanz rechtfertigt keinen Vorschussjubel. Das Budget ist bislang nicht mal in Ansätzen saniert. Für Ende 2026 prognostiziert sein Ministerium Staatsschulden von 440,3 Milliarden Euro – mehr als 20 Milliarden über dem bislang ausgewiesenen Stand von Ende 2025. Es bleibt ein gewaltiges Finanzloch. Eine Erfolgsgeschichte sieht anders aus.

Die ursprünglich geplanten Ressorteinsparungen dürften laut parlamentarischem Budgetdienst nicht vollständig erreicht werden; ein weiteres Konsolidierungspaket wurde nötig. Marterbauer hat damit bislang zu wenig geliefert, um als großer Hoffnungsträger präsentiert zu werden. Zukunftsmaßnahmen sind zwar budgetiert. Doch Ankündigungen und Budgetansätze ersetzen keine wirksamen Ergebnisse. Der überzeugende Aufbruch bleibt aus, während die SPÖ bereits die nächste Beförderung organisiert. Und Maßnahmen wie die Mwst.-Senkung bei gleichzeitiger Einführung einer Paketsteuer sind nicht viel mehr als ein Hohn der Bevölkerung gegenüber, Stichwort linke Tasche-rechte Tasche.

Politisch und menschlich heikel ist zudem, dass Marterbauer noch wegen seiner Krebserkrankung behandelt wird. Der Zeitpunkt seiner Übernahme hängt von seiner Genesung ab. Damit wird seine gesundheitliche Entwicklung zum öffentlichen Fahrplan einer parteipolitischen Personalentscheidung. Ernsthaft jetzt? Ganz abgesehen davon ist es menschlich fragwürdig, jemanden mit einer schweren Erkrankung so unter Druck zu setzen.

Über seine Belastbarkeit urteilen seine Ärzte und er selbst. Die Partei muss sich dennoch fragen lassen, warum sie ausgerechnet jetzt zusätzliche Erwartungen auf ihn lädt. Schon das Finanzressort ist eine enorme Aufgabe. Ein Übergang ins Ungewisse und noch mehr Druck auf einen Finanzminister in Krebsbehandlung: Das wirkt politisch und menschlich alles andere als gut durchdacht.

Dazu kommt die persönliche Loyalität: Marterbauer hat mehrfach betont, dass Babler ihn in die Regierung geholt habe. Nun soll Babler laut eigener Darstellung auf Marterbauers Wunsch Minister bleiben. Ob damit Dankbarkeit zurückgegeben werden soll, ist nicht belegt. Der Eindruck gegenseitiger politischer Absicherung liegt aber nahe. Ein Ministerposten ist kein Dankeschön oder ein Trostpreis. Persönliche Verbundenheit ersetzt weder Leistung noch eine rationale Personalentscheidung – auch nicht für eine Partei, die ihren Neustart nicht zustande bringt.

Babler geht irgendwann und bleibt trotzdem. Marterbauer soll übernehmen, sobald es seine Gesundheit erlaubt, sonst halt nicht und dann schaut man irgendwie weiter. Derweil verrinnen die Monate und Jahre in Sachen Untätigkeit. Die endgültige Parteiführung wird später geklärt. Die SPÖ nennt das Erneuerung. Vorerst hat sie vor allem die Sitzplätze ihrer Spitzenfunktionäre neu verteilt.