Hunderte Menschen zogen unter dem Motto „Stopp das Google-Monster – Kronstorf betrifft uns alle“ zur Baustelle des umstrittenen Google-Rechenzentrums. Mit dabei war auch MFG-Landtagsabgeordneter Joachim Aigner, der das Milliardenprojekt seit längerem im OÖ. Landtag kritisch thematisiert. Bis zu 500 Megawatt Anschlussleistung, rechnerisch bis zu 4,4 Terawattstunden Stromverbrauch im Vollausbau, 50 Hektar Fläche und Millionen Kubikmeter Wasser stehen rund 100 angekündigten Dauerarbeitsplätzen gegenüber. Je mehr Details über das Mega-Projekt bekannt werden, desto lauter wird die Kritik an Dimension und mangelnder Transparenz.
Unter dem Motto „Stopp das Google-Monster – Kronstorf betrifft uns alle“ zogen bereits am 6. September laut Veranstaltern Hunderte Menschen zur Baustelle des Google-Rechenzentrums. Organisiert wurde der Protest vom „Spaziergang Steyr“, als Redner war unter anderem der Blogger Peter F. Mayer von TKP vor Ort. Im Mittelpunkt der Kritik steht weniger die Frage, ob Oberösterreich grundsätzlich ein Rechenzentrum braucht, sondern die gewaltige Dimension des Projekts – und die Frage, wie transparent Politik und Behörden darüber informiert haben.
Denn inzwischen sind Zahlen bekannt, die erheblich größer sind als das, was rund um den Spatenstich öffentlich im Mittelpunkt stand: Die derzeitige erste Ausbaustufe ist für bis zu 150 Megawatt Anschlussleistung ausgelegt. Für einen möglichen Vollausbau sind bis zu 500 Megawatt vorgesehen. Netz Oberösterreich errechnet daraus bei maximaler Auslastung einen theoretischen Jahresverbrauch von bis zu 4,4 Terawattstunden – fast einem Drittel des gesamten oberösterreichischen Stromverbrauchs von 2024. Google selbst hat diesen Jahresverbrauch allerdings nicht bestätigt; die 4,4 TWh sind eine Hochrechnung aus der maximalen Anschlussleistung.
Auch beim Wasser geht es um enorme Größenordnungen. Laut öffentlichem Wasserbuch darf für die Kühlung maximal 202,78 Liter pro Sekunde beziehungsweise 5,55 Millionen Kubikmeter jährlich entnommen werden. Zurückgeleitet werden dürfen maximal 98,89 Liter pro Sekunde beziehungsweise rund 2,108 Millionen Kubikmeter jährlich. Dem gegenüber stehen nach Angaben von Google gerade ma rund 100 direkte dauerhafte Arbeitsplätze am Standort.
Aigner: MFG macht das Projekt zum Landtagsthema
Politische Unterstützung erhielt der Protest von MFG. Landesparteiobmann und Landtagsabgeordneter Joachim Aigner nahm persönlich teil und machte sich vor Ort ein Bild. Aigner kritisiert vor allem die aus seiner Sicht mangelnde Transparenz: „Wie hoch wird der tatsächliche Stromverbrauch? Welche Folgen hat der zusätzliche Netzbedarf? Wer trägt mögliche Folgekosten? Welche langfristigen Auswirkungen hat die enorme Wasserentnahme? Und wer haftet, sollten später Umweltprobleme auftreten?“
MFG hat das Projekt wiederholt mit parlamentarischen Anfragen aufgegriffen. Aigner kritisiert, dass wesentliche Informationen über Dimension und Ressourcenbedarf erst öffentlich breit diskutiert worden seien, als die Bauarbeiten bereits liefen.
Besonders umstritten ist die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung. Der zuständige Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) ließ den UVP-Feststellungsbescheid aus dem Jahr 2020 angesichts der Debatte noch einmal rechtlich überprüfen. Das Ergebnis: Der Bescheid ist rechtskräftig, eine UVP ist nach derzeitiger Rechtslage nicht vorgeschrieben. Eine Entscheidung, die Kopfschütteln auslöst. Wenn nicht ein dermaßen großes, einschneidendes Projekt eine UVP benötigt, was dann?
Landesregierung sieht Milliardenchance
Das Land zeichnet dagegen ein deutlich positiveres Bild. Das Rechenzentrum sei eine der größten privaten Investitionen der vergangenen Jahre, stärke Oberösterreich als Technologie- und Wirtschaftsstandort und könne weitere Unternehmen und hochqualifizierte Arbeitskräfte anziehen. Auch Kooperationen mit der FH Oberösterreich werden erhofft. Wie aber andere Beispiele zeigen: Geforscht wird in Rechenzentren nicht, es wird lediglich enorme Rechenleistung quasi vom Laufband produziert.
„Warum wurden Dimension, Ressourcenbedarf und mögliche Folgekosten eines der größten Industrieprojekte Oberösterreichs erst so richtig zum öffentlichen Thema, als auf dem Gelände längst die Kräne standen?“
Google selbst verweist ebenfalls auf regionale Aufträge, Investitionen in die Wasserökologie der Enns, Photovoltaik, ein begrüntes Dach und die Möglichkeit einer späteren Nutzung der Abwärme. Die Inbetriebnahme der ersten Stufe ist für 2027 vorgesehen.
Beim Protestmarsch wurde zudem auch über eine mögliche großflächige Bodenerwärmung, gesundheitliche Schäden durch Infraschall oder pauschale Immobilienwertverluste von 30 Prozent thematisiert – alles Themen, die die Menschen bewegen und die im Vorfeld komplett vom Tisch gewischt wurden. Die harten Zahlen allein reichen ohnehin für eine politische Debatte: bis zu 500 MW Anschlussleistung, theoretisch 4,4 TWh Stromverbrauch, 50 Hektar Fläche, Millionen Kubikmeter Wasser – bei rund 100 direkten Dauerarbeitsplätzen.
Schlusswort Joachim Aigner: „Warum wurden Dimension, Ressourcenbedarf und mögliche Folgekosten eines der größten Industrieprojekte Oberösterreichs erst so richtig zum öffentlichen Thema, als auf dem Gelände längst die Kräne standen? Diese Antwort bleibt die Landesregierung bis heute schuldig.“
Foto: Land OÖ / Mayerhofer



