Das Gesundheitsministerium ruft zum nächsten Corona-Herbst zur Auffrischungsimpfung – trotz des Wissens um die überschaubare Wirkung und die unzählige Male bestätigte Gefahr von Impf-Nebenwirkungen. Der „beste Zeitpunkt“ sei jetzt, eine neue Welle werde heuer früher erwartet. Selbst junge, ungefährdete Menschen sollen weiter gepiekst werden: Die Empfehlung richtet sich grundsätzlich an alle ab zwölf Jahren. International wird jedoch längst und sehr deutlich nach Alter und individuellem Risiko unterschieden.
Das österreichische Gesundheitsministerium hat kürzlich seine COVID-19-Empfehlung für die Saison 2026/27 aktualisiert. Die Impfung bleibt kostenlos und ist ab sechs Monaten (!) möglich. Allgemein empfohlen wird sie ab zwölf Jahren, besondere Priorität haben Menschen ab 60, Risikopersonen und Gesundheitspersonal. Maria Paulke-Korinek, Leiterin der Abteilung Impfwesen im Gesundheitsministerium, rät nun zu einer zeitnahen Auffrischung. Begründet wird das mit einer heuer früher erwarteten Corona-Welle.
WHO fokussiert stärker auf Risikogruppen
Interessant wird der österreichische Weg im internationalen Vergleich. Die WHO stellt bei ihren aktuellen Empfehlungen jene Menschen in den Vordergrund, die ein hohes Risiko für schwere COVID-Verläufe haben. Dazu zählen insbesondere sehr alte Menschen, ältere Personen mit relevanten Vorerkrankungen, Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie Menschen mit mittlerer oder schwerer Immunschwäche. Punkt!
Noch deutlicher ist die Entwicklung in Deutschland: Die STIKO hat ihre Empfehlung 2026 angepasst. Regelmäßige Auffrischungen richten sich dort unter anderem an Menschen ab 75 Jahren, Personen mit erhöhtem gesundheitlichem Risiko, Pflegeheimbewohner sowie bestimmte Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich. Bei immungesunden Risikopersonen kann eine Auffrischung zudem entfallen, wenn sie sich im Laufe des Jahres mit SARS-CoV-2 infiziert haben.
Warum spricht Österreich weiterhin eine so breite Empfehlung ab zwölf Jahren aus, während andere Fachgremien ihre regelmäßigen Auffrischungsempfehlungen inzwischen wesentlich stärker auf besonders gefährdete Gruppen konzentrieren und reduzieren?
Corona zuletzt auf vergleichsweise niedrigem Niveau
Die Zahlen gegen derlei völlig uferlose Aufrufe nicht her: Selbst die österreichische AGES hielt noch im Mai fest, dass SARS-CoV-2 über Herbst und Winter auf „niedrigem Niveau“ fluktuierte. Eine klare saisonale Zirkulation parallel zur Grippe zeichne sich weiterhin nicht ab. Gleichzeitig seien die stationären Krankenhausaufnahmen mit COVID-19 über die vergangenen Jahre zurückgegangen.
Schon wieder eine neue Impfstoffgeneration
Für 2026/27 stehen erneut angepasste Impfstoffe zur Verfügung. Die angepassten Präparate von BioNTech/Pfizer und Moderna wurden erst im Juli 2026 in der EU zugelassen.
Nach mehr als sechs Jahren Corona wäre daher neben dem Aufruf zum nächsten Stich vor allem eine möglichst transparente und vor allem ehrliche Kommunikation sinnvoll: Wie hoch ist das aktuelle Risiko nach Alter und Vorerkrankungen tatsächlich? Wie groß ist der zusätzliche Schutz einer Auffrischung in den einzelnen Gruppen – und wie lange hält er an? Solche Zahlen wird es aber weiter nicht geben, weil sie nicht ins Format der Impf-Industrie passen.
MFG: „Pauschale Impfempfehlungen sind der falsche Weg“
Kritik an der neuerlichen breiten Corona-Impfempfehlung kommt von der MFG. Die Partei, die aus dem Protest gegen die Corona-Politik entstanden ist, lehnt RNA-basierte Präparate grundsätzlich ab und fordert seit Jahren eine umfassende Aufarbeitung der Pandemiepolitik. Unterlegt wird dieser Standpunkt durch eine Unzahl an belegten Impfschäden, aber auch der vergleichsweise wenig wirksamen Impfung, vom stakkatoartig versprochenen „dauerhaften Schutz“ blieb unter dem Strich nichts übrig. Im Parteiprogramm spricht sich MFG ausdrücklich und vehement gegen direkte oder indirekte medizinische Zwangsbehandlungen und Impfpflichten aus.
Kommentar
Dass jetzt wieder praktisch allen Menschen ab zwölf Jahren eine Corona-Auffrischung empfohlen wird, halten wir für den falschen Weg. Gerade nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre braucht es keine pauschalen Impfaufrufe, sondern eine ehrliche und transparente individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. Alter, Vorerkrankungen, bereits durchgemachte Infektionen und die persönliche Situation müssen berücksichtigt werden. Dass andere Länder ihre regelmäßigen Empfehlungen längst wesentlich stärker auf ältere Menschen und Risikogruppen konzentrieren, sollte auch in Österreich Anlass sein, die eigene Strategie kritisch zu hinterfragen.



