Österreich verbaut weiterhin jeden Tag wertvollen Boden – und ausgerechnet Oberösterreich gehört beim Bodenschutz bundesweit zu den Schlusslichtern. Während Äcker und Grünflächen unter Betriebsgebieten, Straßen und Großprojekten verschwinden, steigt der Flächendruck durch Rechenzentren, Photovoltaik und neue Windparks zusätzlich. MFG Oberösterreich positioniert sich dabei seit Jahren als scharfer Kritiker: Energiewende ja – aber nicht auf Kosten von Ackerböden, Wäldern und unberührter Natur.

Österreichweit wurden zuletzt im Dreijahresschnitt rund 6,5 Hektar Boden pro Tag neu beansprucht. Das entspricht etwa neun Fußballfeldern täglich und liegt weiterhin weit über dem politischen Ziel von 2,5 Hektar. Der aktuelle WWF-Bodenreport stellt den Bundesländern ein entsprechend schlechtes Zeugnis aus. Kein einziges verfügt demnach über ausreichend verbindliche Obergrenzen. Besonders schlecht schneiden Kärnten und Oberösterreich ab.

Dabei geht es längst nicht nur um Naturschutz. Jeder dauerhaft versiegelte Quadratmeter verliert seine Fähigkeit, Regenwasser aufzunehmen, CO₂ zu speichern, die Umgebung zu kühlen oder Lebensmittel hervorzubringen. Gerade in einem Bundesland mit einer starken Landwirtschaft müsste der Schutz hochwertiger Böden daher eigentlich oberste Priorität haben.

Google: 50 Hektar für 100 Arbeitsplätze
Wie groß die Dimension einzelner Projekte mittlerweile geworden ist, zeigt das neue Rechenzentrum von Google in Kronstorf. Für den Campus steht ein rund 50 Hektar großes Areal zur Verfügung – umgerechnet etwa 70 Fußballfelder. Nach Fertigstellung rechnet Google mit maximal rund 100 direkten Dauerarbeitsplätzen am Standort. Damit stehen jedem direkten Arbeitsplatz rechnerisch rund 5.000 Quadratmeter Campusfläche gegenüber. Auch der mögliche Ressourcenverbrauch erreicht außergewöhnliche Dimensionen. Für den Vollausbau wurde eine Anschlussleistung beantragt, die theoretisch einen Stromverbrauch von mehreren Terawattstunden jährlich ermöglichen würde.

MFG: Ackerflächen müssen geschützt werden
Genau diese Entwicklung kritisiert MFG. Man fordert, bei Energie- und Infrastrukturprojekten wesentlich stärker auf bereits verbaute Flächen, Dächer, Parkplätze und Industriebrachen zurückzugreifen. MFG-Landesparteiobmann Joachim Aigner machte diese Position bereits bei einer geplanten 13 Hektar großen Photovoltaikanlage auf Ackerflächen im Linzer Süden deutlich. „Unverbaute Gebiete müssen geschützt werden, es gibt mehr als genug Flächen, die sich besser für PV-Anlagen eignen als landwirtschaftliches Ackerland“, so Aigner.

Für MFG liegt genau hier ein zentraler Widerspruch der aktuellen Energiepolitik: Einerseits wird speziell vom zuständigen Landesrat Achleitner vor Bodenverlust, Lebensmittelknappheit und Klimafolgen gewarnt, andererseits werden immer neue Projekte auf bislang unverbauten Flächen ermöglicht, ja sogar aktiv angetrieben.

Nicht unberechtigte Sorge um ausufernde Windkraft-Projekte mitten in der Natur
Noch wesentlich grundsätzlicher fällt die Kritik der MFG beim Ausbau der Windkraft aus. Die Partei lehnt die derzeit geplanten Windkraft-Großprojekte in Oberösterreich weitgehend ab. Joachim Aigner erklärte bereits 2025 im ORF-Sommergespräch, Oberösterreich sei kein Windkraftland und er sehe keinen Platz für Windräder im Bundesland.

MFG-Klubobmann Manuel Krautgartner argumentiert insbesondere mit den Eingriffen in Wälder und Landschaften. Neben den eigentlichen Fundamenten benötigten moderne Windkraftanlagen Kranstellflächen, Zufahrtswege und Leitungsinfrastruktur. Die MFG spricht deshalb von einem erheblichen Eingriff in bislang weitgehend unberührte Gebiete.

Sandl: 19 Windräder mit 281 Metern Höhe
Zum Symbol dieses Konflikts ist mittlerweile der geplante Windpark Sandl geworden. Dort sollen 19 Windkraftanlagen mit jeweils bis zu 281 Metern Gesamthöhe und einer Gesamtleistung von rund 137 Megawatt entstehen. Das Investitionsvolumen beträgt etwa 250 Millionen Euro. Besonders brisant: Das Projektgebiet liegt laut OÖ Umweltanwaltschaft in einem Bereich, der bereits seit 2012 im Windkraft-Masterplan als Ausschlusszone vermerkt ist. Die Umweltanwaltschaft konnte dem Projekt in ihrer Stellungnahme keine Umweltverträglichkeit attestieren und übt deutliche Kritik an den Auswirkungen auf Natur und Landschaft.

Genau darauf verweist auch die MFG. Krautgartner bezeichnet das Projekt als massiven Eingriff in Landschaft und Natur und kritisiert, dass ein Projekt dieser Größenordnung ausgerechnet in einer ursprünglich vorgesehenen Ausschlusszone verfolgt wird.
Im Mai legte die MFG nach. Nachdem auch die Umweltanwaltschaft Mängel bzw. offene Fragen bei den UVP-Unterlagen thematisiert hatte, verlangte Krautgartner eine besonders genaue Prüfung. Unter anderem gehe es um den Schutz sensibler Vogelarten wie Auerhuhn und Waldschnepfe.

Kobernaußerwald: mitten hinein in den Wald
Ähnlich umstritten ist der geplante Windkraftausbau im Kobernaußerwald. Ursprünglich waren dort 18 Windräder mit insgesamt 129,6 MW Leistung vorgesehen. Inzwischen wurde das Projekt auf neun Anlagen reduziert; Hintergrund sind unter anderem Tiefflugzonen des Bundesheeres. Das UVP-Verfahren läuft weiter.
Dazu kommen weitere Projekte wie der Windpark Steiglberg bei Lohnsburg. Auch dort engagiert sich die MFG gegen die Umsetzung. Im Dezember 2025 veröffentlichte sie Kritik an einer Kooperationsvereinbarung zwischen Gemeinde und Projektwerbern und berief sich dabei auf ein von Projektgegnern beauftragtes Rechtsgutachten.

MFG gegen Windkraft-„Beschleunigungsgebiete“
Zusätzliche Kritik gibt es an den geplanten Beschleunigungsgebieten für erneuerbare Energie. Sie sollen Genehmigungsverfahren für Windkraft und Photovoltaik vereinfachen und verkürzen. MFG sieht darin die Gefahr, dass Entscheidungen zunehmend überregional vorgegeben werden und Gemeinden sowie betroffene Bürger weniger Einfluss auf einzelne Projekte haben. Krautgartner kritisiert insbesonders, dass damit bereits vorab festgelegt werde, wo Windkraft stattfinden soll, anstatt jedes Projekt individuell und unter umfassender Berücksichtigung von Natur, Landschaft und Bevölkerung zu beurteilen.

Nicht jedes „grüne“ Projekt ist automatisch bodenschonend und gut für die Umwelt
Dabei müssen die Größenordnungen allerdings korrekt eingeordnet werden. Nach Daten des Umweltbundesamtes entfällt auf Energiegewinnungsflächen wie Windkraft und Freiflächen-PV (noch) ein eher kleiner Teil der gesamten österreichischen Flächeninanspruchnahme. Die wesentlich größeren Treiber bleiben Siedlungen, Betriebsgebiete und Verkehr. Dennoch kann gerade bei Großprojekten in ökologisch sensiblen Waldgebieten die lokale Wirkung erheblich sein.

Oberösterreich braucht eine echte Bodenbremse
Gerade für Oberösterreich ist diese Frage entscheidend. Das Bundesland ist Industriestandort, Agrarland und wichtiger Naturraum zugleich. Umso problematischer ist es, wenn es beim Bodenschutz österreichweit am Ende des Rankings landet. MFG fordert einen echten Kurswechsel, bevor alle Dämme brechen: Landwirtschaftliche Böden und Naturräume müssten stärker geschützt, Photovoltaik vorrangig auf Dächern und bereits versiegelten Flächen errichtet und Windkraftprojekte in sensiblen Wald- und Landschaftsgebieten gestoppt werden.