Die neuesten Zahlen der Österreichischen Auflagenkontrolle (ÖAK) für das erste Halbjahr 2026 bestätigen einen Trend, der seit Jahren anhält: Die klassischen gedruckten Tageszeitungen und Magazine verlieren weiter an Boden. Besonders interessant: E-Paper bremsen den Rückgang der offiziellen Verkaufsauflagen ab. Die Medienvielfalt ist aber nicht in Gefahr – im Gegenteil.

Marktführer Kronen Zeitung fällt im ersten Halbjahr 2026 erstmals unter eine markante Grenze: Die verkaufte Auflage liegt bei 491.770 Exemplaren. Davon sind allerdings bereits 66.541 E-Paper – gedruckt verkauft werden rechnerisch also nur noch rund 425.000 Exemplare.

Auch die OÖNachrichten rutschen unter die nächste Schwelle: 88.922 verkaufte Exemplare werden ausgewiesen, davon 20.260 digital. Damit bleiben nur noch rund 68.700 tatsächlich gedruckt verkaufte Exemplare.

Noch deutlicher zeigt sich der Wandel bei den überregionalen Qualitätszeitungen. Der Standard erreicht 54.278 verkaufte Exemplare, davon bereits 24.814 als E-Paper. Das bedeutet: Nur noch knapp 29.500 Exemplare werden gedruckt verkauft. Bei der Presse sind von 65.698 verkauften Exemplaren sogar 34.658 digital – mehr als die Hälfte. Auch klassische Magazine kämpfen mit sinkenden Stückzahlen. NEWS kommt nur noch auf 27.590 verkaufte Exemplare, profil auf 31.066.

Weniger Print & Mainstream heißt nicht weniger Medienvielfalt
Der massive Rückgang der traditionellen Printauflagen bedeutet allerdings keineswegs automatisch weniger Medienvielfalt. Im Gegenteil: Gerade online ist die österreichische Medienlandschaft in den vergangenen Jahren deutlich breiter geworden.

Neben den digitalen Angeboten der etablierten Verlagshäuser haben sich zahlreiche kleinere, regionale und alternative Medien, unabhängige Plattformen, Blogs, Podcasts, Newsletter und Social-Media-Kanäle etabliert. Die technischen und finanziellen Eintrittshürden sind wesentlich niedriger als im klassischen Printgeschäft. Damit können heute auch kleinere Anbieter ein großes Publikum erreichen. Die neuen ÖAK-Zahlen dokumentieren deshalb weniger ein „Mediensterben“ als vielmehr einen fundamentalen Wandel des Medienkonsums. Die Zeitung verschwindet nicht – aber das bedruckte (Mainstream-)Papier verliert rapide an Bedeutung.