Ein neues Gutachten zeichnet ein ernüchterndes Bild für den Linzer Flughafen: Statt eines Verkaufserlöses droht der Stadt Linz nun offenbar ein Abschied zum Nulltarif. Das ist die Quittung für eine Flughafenpolitik, die den Standort über Jahre hinweg immer weiter in die Krise geführt hat.

Der Linzer Flughafen ist offenbar deutlich weniger wert als lange angenommen. Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG kommt laut Medienberichten zum Schluss, dass der Airport nach dem üblichen Bewertungsverfahren sogar einen negativen Unternehmenswert aufweist. Selbst nach dem Liquidationswert soll der Flughafen lediglich auf zwei bis vier Millionen Euro kommen – und dabei sind notwendige Investitionen sowie mögliche Schadenersatzforderungen noch nicht einmal vollständig berücksichtigt.

Ein Verkauf des städtischen 50-Prozent-Anteils an das Land um den symbolischen Preis von einem Euro gilt mittlerweile als realistisches Szenario.

Denn in den kommenden Jahren stehen die Sanierung der Start- und Landebahn, Investitionen in Gebäude und Infrastruktur sowie mögliche Kosten im Zusammenhang mit der PFAS-Verunreinigung von Brunnen im Umfeld des Flughafens an. Deshalb gilt inzwischen sogar ein Verkauf des städtischen 50-Prozent-Anteils an das Land um den symbolischen Preis von einem Euro als realistisches Szenario.

Für die Stadt Linz ist das ein bitteres Ergebnis. Noch vor wenigen Monaten war davon die Rede, mit dem Verkauf der Beteiligung einen finanziellen Erlös erzielen zu können. Nun könnte die Stadt bereits froh sein, wenn sie sich ohne weitere Millionenbelastungen vom Flughafen trennen kann.

Der Linzer Flughafen sorgte einst verlässlich für eine gut Rendite, diese Zeiten sind aber längst vorbei – nicht nur wegen der allgemeinen Luftfahrtkrise, sintern auch durch epochale Managementfehler, aber auch dank der „Expertise“ aus der Politik. 

Das Gutachten macht zugleich deutlich, wohin die Flughafenpolitik von Stadt und Land Oberösterreich geführt hat. Trotz wiederholter Zuschüsse in Millionenhöhe, kostspieliger Förderungen für Flugverbindungen und laufender Kapitalnachschüsse gelang es nicht, den Airport wirtschaftlich nachhaltig zu stabilisieren. Allein im Vorjahr mussten Stadt und Land gemeinsam acht Millionen Euro zuschießen, auch heuer sind weitere Mittel vorgesehen.

Der Linzer Flughafen steht damit beispielhaft für ein Infrastrukturprojekt, das von er Politik in den Graben gefahren wurde, ohne seine strukturellen Probleme lösen zu können. Statt eines wertvollen Vermögens bleibt den Eigentümern nun ein Sanierungsfall, dessen Zukunft weiterhin offen ist.